Gesundheit ist privat – und auch wieder nicht. Von der Gesundheit ihrer Bevölkerungen hängt das Wohlergehen ganzer Gesellschaften und Volkswirtschaften ab. Grenzüberschreitende Infektionskrankheiten oder die Zunahme mikrobieller Resistenzen bekommen Gesundheitsakteure verschiedener Länder nur gemeinsam in den Griff – internationale Zusammenarbeit ist unerlässlich. Die deutsche Bundesregierung verfolgt mit ihrer Strategie für globale Gesundheit deshalb einen partnerschaftlichen Ansatz.
Deutschland definiert in seiner Strategie fünf Schwerpunkte – dazu gehören Prävention, klimawandelresiliente Gesundheitssysteme und Pandemievorsorge. Die Privatwirtschaft wird dabei explizit einbezogen. Die German Health Alliance bündelt das Engagement deutscher Gesundheitsunternehmen international und schafft Brücken zwischen Wissenschaft, Politik und Markt. Eine zentrale Herangehensweise ist der Ansatz „One Health“, also die Erkenntnis, dass die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt voneinander abhängig ist und zusammen gedacht werden muss.
Dieser Ansatz spielt auch in Indien eine große Rolle, wo die Regierung unter dem Motto „One Earth, One Health“ internationale Partnerschaften zum Aufbau einer belastbaren globalen Gesundheitsarchitektur fördert. Programme wie die National One Health Mission stärken die interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Forschung.
Brasilien ist ein wichtiger Impulsgeber im Bereich Global Health mit Forschungsschwerpunkten in Biotechnologie, personalisierter Medizin, Infektionskrankheiten, Impfstoffentwicklung und vielen anderen. Das Land hat eines der größten universellen Gesundheitssysteme der Welt, das international als Referenz gilt. Das Sistema Único de Saúde ist kostenlos, steht allen Menschen zur Verfügung, die in Brasilien leben, und umfasst Leistungen von der Prävention über die Behandlung bis zur Rehabilitation.
Japan ist die am schnellsten alternde Gesellschaft der Welt und hält den Rekord für die längste gesunde Lebenserwartung. Der Einsatz von Pflegerobotik, Exoskeletten und KI-gestützten Monitoringsystemen dient weltweit als Vorbild für die Gestaltung eines gesunden und würdevollen Alterns.
In New York entstehen Innovationen in der Gesundheitstechnologie – nicht zuletzt eine Folge der Coronapandemie, die Schwachstellen offenbarte. Ein zentrales Ziel der Stadt ist es deshalb, gesundheitliche Ungleichheiten abzubauen und die Gesundheitsversorgung für alle Einwohnerinnen und Einwohner zu verbessern.
Start-ups und Spitzenforschung: Diese Mischung prägt die Entwicklungen in der San Francisco Bay Area – ein ideales Umfeld für Durchbrüche in der medizinischen Forschung. Deutschland ist dabei ein geschätzter Partner. Zahlreiche gemeinsame Projekte und Programme fördern den Austausch von Wissen, Ideen und Ressourcen.
Wissenschaftsdiplomatie ist ein strategisches Element deutscher Außenpolitik zur Gestaltung internationaler Beziehungen sowie zur Wahrung von Freiheit, Sicherheit und Wohlstand. Die DWIH sind integraler Bestandteil der deutschen Wissenschaftsdiplomatie und arbeiten an fünf Standorten weltweit im Zusammenwirken mit Wissenschaft, Wirtschaft und Politik an wegweisenden Lösungsansätzen für aktuelle und künftige Herausforderungen.
Dr. Bernhard Kotsch
Staatssekretär im Auswärtigen Amt
Zahar Barth-Manzoori, Arthur Rapp und Aadishree Jamkhedkar
Zahar Barth-Manzoori: Gemeinsam ist beiden Standorten, dass es ohne ihre starke wissenschaftliche Basis kein so dynamisches Innovationsökosystem gäbe – sowohl in der Bay Area als auch in Indien entstehen viele Gründungen aus exzellenter Forschung heraus. Inhaltlich arbeiten beide an sehr ähnlichen Zukunftsthemen: Künstliche Intelligenz, Climate Tech, Health und Med Tech, Mobilität sowie digitale Infrastruktur. Der größte Unterschied liegt in der Logik der Ökosysteme: Die Bay Area ist extrem stark von Venture Capital und Deep-Tech-Ausgründungen geprägt – hier fließt so viel Kapital wie auf keinem anderen Kontinent, und relevant sind vor allem radikal neue Technologien, häufig mit Wurzeln in Tech-Unternehmen und Spitzenuniversitäten.
Arthur Rapp: Indien wiederum ist ein riesiger, besonders heterogener und zugleich stark preissensitiver Markt, in dem Lösungen in ganz unterschiedlichen Kontexten funktionieren müssen – über Sprachen, Einkommensniveaus und sehr verschiedene Infrastrukturen hinweg. Das führt zu einem anderen Innovationsfokus: Neben Hightech geht es stark um kostengünstige und zugängliche Technologien mit gesellschaftlicher Wirkung – etwa beim Klimaschutz, der Verbesserung der Gesundheitsversorgung, dem Zugang zu Bildung oder bei der Armutsbekämpfung. Auch deshalb fördert die indische Regierung Start-ups gezielt.
Aadishree Jamkhedkar: Zunächst sollte man wissen: Wir sind kein klassischer Markteintrittsbeschleuniger für bereits eingespielte Start-ups, sondern arbeiten vor allem mit wissenschaftsbasierten Teams in einer frühen Gründungsphase. Wir bieten Programme und Netzwerke für Co-Creation, Joint Technology Development sowie Technologietransfer an. Außerdem unterstützen wir die Teams bei der Suche nach Mitgründern. In unseren Formaten – etwa „Innovators Connect – Tandem“ – bringen wir jedes Jahr 30 deutsche und indische Forschende und Gründungsteams zusammen und bieten intensives Mentoring, kollaborative Produktentwicklung sowie gezieltes Matching mit Mitgründern, Inkubatoren und Investoren.
Zahar Barth-Manzoori: Auch wir agieren nicht als Inkubatoren, sondern unterstützen die Teilnehmenden dabei, Zugang zum US-Markt zu bekommen und Partner zu finden. Unsere Programme setzen bewusst sehr früh an. Wir arbeiten mit Early-Stage-Teams und Forschenden, die erst beginnen, unternehmerisch zu denken. Hier in San Francisco bieten wir beispielsweise das Programm „GUILD Women in Entrepreneurship“ an. Jedes Jahr fördern wir 100 Frauen aus dem deutschen Wissenschaftssystem in einer Entrepreneurship-Online-Academy und holen zehn von ihnen auch nach San Francisco.
Zahar Barth-Manzoori: Nur ein Beispiel: Eine Gründerin aus der jüngsten Runde sagte, zum ersten Mal sei sie wirklich als CEO ihrer Firma aufgetreten und habe sich nicht länger hinter ihrer Rolle als Wissenschaftlerin versteckt. Wenn wir dazu nur ein Prozent beigetragen haben, ist das ein Erfolg. In Zukunft wollen wir die Alumni, die an Programmen der DWIH teilgenommen haben, auch in Deutschland zusammenbringen. Eine wichtige Aufgabe ist zudem die Vermittlung interkultureller Kompetenz. Viele unterschätzen die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und den USA. Hier versuchen wir, unsere Erfahrungen zu teilen und Empfehlungen für den Aufbau von Kontakten zu geben.
Aadishree Jamkhedkar: Die Teilnehmenden erhalten einen intensiven Einblick in das Forschungs-, Innovations- und Start-up-Ökosystem Indiens und haben die Gelegenheit, sich mit Akteuren aus Innovation, Wissenschaft und Industrie zu vernetzen. Das sorgt für den frühzeitigen Aufbau internationaler Expertise. Und es entstehen Netzwerke in Indien und Deutschland, da mehr als 15 Transferzentren und Inkubatoren aus beiden Ländern aktiv an dem Programm beteiligt sind. Dies hat schon viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dazu inspiriert, selbst zu gründen.
Aadishree Jamkhedkar: Das DWIH-Netzwerk ist essenziell. Wir verweisen immer auch auf die anderen Standorte – je nach strategischem Bedarf. Ein Beispiel für die Zusammenarbeit: 2023 war das DWIH Neu-Delhi eng an der G20-Präsidentschaft Indiens beteiligt; wir hatten unter anderem den Co-Vorsitz der International Alliances der G20 Startup Engagement Group. 2024 übernahm Brasilien die G20-Präsidentschaft, und natürlich haben wir unsere Erfahrungen und Kontakte an das DWIH São Paulo weitergegeben. Besonders eindrücklich finde ich auch die Geschichte der jungen indischen Wissenschaftlerin Dr. Komali Valishetti, die in Deutschland promoviert wurde und an „Innovators Connect –Tandem“ teilnahm. Danach brachte sie ihre in Indien ausgearbeitete Idee über das Programm „GUILD Women in Entrepreneurship“, das Frau Barth-Manzoori erwähnte, nach San Francisco und gewann damit auch in anderen Start-up-Wettbewerben. Inzwischen hat sie zwei Gründungsstipendien des deutschen Förderprogramms EXIST erhalten und erfolgreich ein Start-up in Berlin mitgegründet.
Arthur Rapp: In Indien lernen Teilnehmende aus Deutschland vor allem, in anderen Maßstäben zu denken. Der Markt ist groß, vielfältig und stark wettbewerbsorientiert. Gleichzeitig erleben sie eine hohe Risikobereitschaft und Dynamik – derzeit gibt es in Indien mehr als 200.000 staatlich anerkannte Start-ups im Rahmen des Startup India-Programms, allein 2025 wurden mehr als 44.000 neue Start-ups registriert – so viele wie nie zuvor in einem Jahr. Indische Teams profitieren wiederum von methodischem Arbeiten und der Struktur aus Deutschland. Diese Mischung aus Geschwindigkeit, Skalierung und systematischer Vorbereitung ist ein zentraler Lerngewinn. Ergänzt wird das durch interkulturelles Training, um Erwartungen realistisch einzuordnen und nachhaltige Partnerschaften aufzubauen.
Zahar Barth-Manzoori: Im Zentrum steht das unternehmerische Mindset – zu verstehen, für wen man entwickelt, welchen Nutzen eine Idee hat und wie man sie klar kommuniziert. Wer hier lernt, komplexe Forschung in drei Minuten verständlich zu erklären, gewinnt enorm an Handlungssicherheit. Viele Forschende kommen zudem mit mehreren Ideen – wir helfen ihnen, sich zu fokussieren. Unsere Programme leben stark vom Mentoring, und wir legen großen Wert darauf, passgenaue Partner zu finden. Je spezifischer das Matchmaking, desto hilfreicher.
Zahar Barth-Manzoori: Unsere Arbeit wird zunehmend strategischer und geht weit über das Vernetzen hinaus. Wir sind nicht mehr nur Brückenbauer im klassischen Sinne, sondern wir müssen schauen, welche Akteure wir in passenden Konstellationen zusammenbringen. Was die Zukunft der Start-up-Szene angeht: Sie lebt von Internationalität und Diversität – fast die Hälfte aller Start-ups wird von jungen Menschen aus anderen Ländern gegründet. Beides steht unter Druck. Die Bay Area war immer ein Ort für Andersdenkende, die den Status quo hinterfragen. Das wird bleiben. Aber die veränderte politische Lage wirkt sich definitiv auch auf Start-ups aus.
Arthur Rapp: Indien wird in den kommenden Jahren weiter an wirtschaftlicher und geopolitischer Bedeutung gewinnen. Das zeigt das gerade unterzeichnete Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien, aber zum Beispiel auch der AI Impact Summit Ende Februar 2026, bei dem Indien als erstes Land außerhalb Europas Gastgeber war: ein klares Zeichen, wie sehr das Land inzwischen als globaler Innovationstreiber geschätzt wird. Wir als DWIH Neu-Delhi werden diese Entwicklung genau beobachten und begleiten. Bei indischen Start-ups allgemein sehen wir einen Trend zu mehr Co-Creation und Technologietransfer. Am Ende geht es vor allem um Vernetzung und Wissenstransfer in alle Richtungen – und hoffentlich entstehen dabei wunderbare neue Dinge.
Eine wissenschaftliche Idee aus Tokyo wird durch die Zusammenarbeit mit Forschenden aus Deutschland um einen entscheidenden Aspekt erweitert. Ein Ansatz aus München erhält durch Perspektiven aus São Paulo neue Dynamik. Solche Momente brauchen Orte, die sie ermöglichen – die DWIH. Sie verwandeln Kontakte in Kooperationen und Kooperationen in nachhaltigen Fortschritt.
Prof. Dr. Joybrato Mukherjee
Präsident des Deutschen
Akademischen Austauschdienstes
Ein Element von OneHealth ist der Kampf gegen bakterielle Resistenzen von Antibiotika.
Resistenzen sorgen auch für erhebliche wirtschaftliche Kosten. Die Weltbank schätzt, dass sie bis 2050 zusätzliche Gesundheitskosten in Höhe von einer Billion US-Dollar verursachen werden.
Doch es gibt auch gute Nachrichten: Laut der Weltgesundheitsorganisation haben inzwischen 178 Länder einen nationalen Aktionsplan zur Bekämpfung von antimikrobiellen Resistenzen entwickelt, der auf dem One-Health-Ansatz basiert.
Gesundheit ist eine globale Aufgabe. Krankheiten kennen keine Grenzen, und die Antworten auf sie dürfen es auch nicht. Exzellente Forschung entfaltet ihre volle Wirkung nur dann, wenn sie international vernetzt wird. Nur so können wir das Niveau der weltweiten Gesundheitsforschung dauerhaft sichern und uns für künftige Krisen wappnen.
Prof. Dr.-Ing. Holger Hanselka
Präsident und Vorstandsvorsitzender
der Fraunhofer-Gesellschaft
Die New York University (NYU) gehört seit vier Jahren zum Netzwerk des DWIH New York. Nina Gray, Interim Vice Provost for Research, erinnert sich noch lebhaft an den ersten Kontakt – ein hochkarätig besetztes Podium zum Thema Neurowissenschaft, an dem renommierte Forschungsgruppen aus den USA und Deutschland teilnahmen. Gray hat einen Hintergrund in Neurowissenschaft und moderierte die Diskussion.
Nina Gray, Interim Vice Provost for Research der NYU | © Sam Hollenshead
Die NYU versteht sich als globale Universität, mit Standorten auf mehreren Kontinenten und dem Anspruch, Studierende und Forschende zu weltoffenen Akteurinnen und Akteuren auszubilden – internationale Partnerschaften sind Teil ihres Selbstverständnisses. Die Partnerschaft mit dem DWIH ist in diesem Sinne ideal und hat sich von einzelnen Events zu einer echten strategischen Brücke zwischen NYU und deutschem Wissenschaftssystem entwickelt. Das DWIH übernimmt dabei eine Rolle, die Gray als entscheidend beschreibt: Türen öffnen, Netzwerke knüpfen, Begegnungen ermöglichen – ob im German House der NYU, im deutschen Konsulat oder auf Konferenzen in den USA. Besonders prägend war der Falling Walls Science Summit im November 2025, bei dem die NYU zwei Events ausrichtete – unterstützt vom DWIH.
2025 war ein wichtiges Jahr für die Kooperation: Die NYU und die Humboldt-Universität zu Berlin unterzeichneten ein Partnerschaftsabkommen, das die langjährige Zusammenarbeit beider Hochschulen besiegelte. Parallel dazu unterstützte das DWIH ein Symposium zum Thema neurologische und psychiatrische Erkrankungen an der NYU School of Medicine in Kooperation mit der Universität zu Köln.
Nina Gray sieht die NYU auf dem Weg zu weiteren Partnerschaften mit deutschen Universitäten. Sie hofft, dass mehr NYU-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler die Förderprogramme des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) nutzen und dass die Kooperation zwischen Deutschland und den USA zunimmt. Im aktuellen politischen Umfeld ist das nicht selbstverständlich. Umso bedeutsamer sei daher die Partnerschaft mit dem DWIH – als starkes Signal, dass die NYU ihre internationalen Kooperationen entschlossen ausbaut.
Erika Kovacs-Bogdan, Principal Alliance Managerin beim Broad Institute | © Donald Raymond
Kompakte Sessions mit überschaubarer Teilnehmendenzahl, intensiver Austausch zu aktuellen Themen, hochrangige politische Gäste – Erika Kovacs-Bogdan hat das FUTURE FORUM des DWIH New York in bester Erinnerung. Kovacs-Bogdan arbeitet beim Broad Institute in Cambridge, Massachusetts, einem unabhängigen Non-Profit-Forschungsinstitut mit engen Bindungen zum Massachusetts Institute of Technology und der Harvard University. Es zählt zu den weltweit führenden Zentren für biomedizinische Forschung – mit Pionierarbeit in Genomforschung und Wirkstoffentwicklung und dem Anspruch, diese schnell in die Entwicklung neuer Therapien und Medikamente zu übersetzen. Unter dem Titel „Health, Tech, Diplomacy“ fand dort 2025 das FUTURE FORUM statt. Als Alliance Managerin an der Schnittstelle zu Industriepartnern war Kovacs-Bogdan intensiv in die Organisation eingebunden.
Für das Broad Institute, das an den Schnittstellen verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen Pionierarbeit leistet, öffnet die Kooperation mit dem DWIH den Blick auf anwendungsnahe Felder wie KI-gestützte Clusteranalysen oder Medizintechnik. Auch vom Netzwerk des DWIH in der Start-up- und Venture-Capital-Szene könne man profitieren, erzählt Kovacs-Bogdan. Für das DWIH ist das Broad Institute ein strategisch wichtiger Partner: Es verbindet exzellente Forschung mit einem starken Netzwerk im Bostoner Biotech-Hub.
Robert Dehghan ist Mitgründer und Geschäftsführer des deutschen Start-ups ISTARI. Das Unternehmen ist im Bereich Market Intelligence tätig und hat eine KI-unterstützte Methode entwickelt, mit der sich aus öffentlich zugänglichen Quellen genaue und hochaktuelle Daten zu spezifischen Branchenclustern bündeln lassen. Den ersten Kontakt zum DWIH knüpfte Dehghan 2024 über das „STEP USA University Program“. Daraus entwickelte sich schnell eine enge Zusammenarbeit.
Robert Dehghan, Mitgründer und Geschäftsführer von ISTARI | © Til Kretner
Auf Initiative des DWIH untersuchten Dehghan und sein Team beispielhaft die Gesundheitsökosysteme von Massachusetts und Baden-Württemberg; die Ergebnisse wurden im September 2025 beim FUTURE FORUM vorgestellt. Besonders aufschlussreich war der Grad der internationalen Vernetzung. Während Deutschland für das US-Cluster nur eine marginale Rolle spielt, orientieren sich deutsche Firmen stark in Richtung USA. Für Dehghan zeigt das, wie wichtig Akteure wie das DWIH sind, die gezielt Verbindungen zwischen den Innovationsökosystemen beider Länder schaffen. Im November folgte ein zweites gemeinsames Projekt: ein Workshop an der Harvard University im Rahmen der German American Conference. Dabei nutzten Studierende das ISTARI-Tool, um Unternehmen in den USA und Deutschland nach bestimmten Kriterien zu suchen und deren Potenzial zu bewerten.
Besonders profitiert hat ISTARI vom Netzwerk des DWIH. Über das FUTURE FORUM knüpfte das Team Kontakte im Biotech-Bereich und lernte das German-American Business Council of Boston kennen – mit Letzterem hat das Start-up mittlerweile einen gemeinsamen Antrag auf europäischer Ebene zum Thema Markteintritt in die USA eingereicht. Auch die Harvard-Konferenz brachte wertvolle neue Verbindungen. Dabei geht die Zusammenarbeit inzwischen sogar über New York hinaus: ISTARI plant, in Zukunft mit weiteren DWIH-Standorten zu kollaborieren.
Systemstärkend: Das Arnhold Institute for Global Health – Icahn School of Medicine at Mount Sinai stärkt internationale Gesundheitssysteme und bildet künftige Führungskräfte im Bereich Global Health aus. Es entwickelt innovative Versorgungsmodelle, um den Zugang zu qualitativ hochwertiger Gesundheitsversorgung zu verbessern – insbesondere in Ländern mit begrenzten Ressourcen. | © picture alliance / Glasshouse Images | Spencer Jones
Praxisnah: Das Center for Global Health – Weill Cornell Medicine vereint wissenschaftliche Exzellenz, internationale Kooperationen und praxisnahe Ausbildung. Es bereitet Fachkräfte darauf vor, globale Gesundheitsprobleme zu lösen, und bietet Forschungs- und Fellowship-Programme an. Schwerpunkte liegen auf Forschung, Training und Service in ressourcenarmen Ländern, mit Programmen in Brasilien, Haiti, Indien und Tansania. | © picture alliance / Glasshouse Images | Spencer Jones
Interdisziplinär vernetzt: Die Global Health Initiative der Columbia University Mailman School of Public Health entwickelt interdisziplinäre Lösungen für globale Gesundheitsfragen. Sie bringt Forschende aus verschiedenen Disziplinen zusammen und stärkt die internationale Vernetzung, um neue Ansätze für gesundheitspolitische Herausforderungen zu fördern. | © picture alliance / Glasshouse Images | Spencer Jones
Evidenzbasiert: Die Section for Global Health an der NYU Langone Health untersucht Strategien zur Prävention und Behandlung von Krankheiten. Sie kombiniert klinische Forschung mit datenbasierten Methoden, um evidenzbasierte Lösungen für ressourcenarme Regionen zu entwickeln. Der Schwerpunkt liegt auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. | © picture alliance / Glasshouse Images | Spencer Jones
Grundlagenorientiert: Das SNF Institute for Global Infectious Disease Research der Rockefeller University zählt zu den weltweit führenden biomedizinischen Forschungseinrichtungen. Das Institut erforscht neu auftretende und endemische Infektionskrankheiten. Die grundlagenorientierte Forschung bildet die Basis für Therapien und Präventionsstrategien weltweit. | © picture alliance / Glasshouse Images | Spencer Jones
Zukunftsweisend: Die NYU School of Global Public Health erforscht Themen von globaler Gesundheitspolitik bis Klimawandel und Digitalisierung. Durch spezialisierte Zentren wie das Global Center for Implementation Science entwickelt sie praxisrelevante Ansätze zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit weltweit. | © picture alliance / Glasshouse Images | Spencer Jones
Softletics-Gründerin Cara Ammann passt während der Roadshow in São Paulo eine Prothese an. | © Softletics
Im Trainingsraum des SESI Sportzentrums in São Paulo wird es plötzlich still. Ein Sportler mit Behinderung stützt sich ab, stemmt sich nach oben – und schafft zum ersten Mal Liegestütze ganz ohne zusätzliche Hilfe. Spontan beginnen alle im Raum laut mitzuzählen. Es sind Momente wie diese, die bei Cara Ammann und Lisa-Marie Frühauf lange nachwirken. Denn sie zeigen, dass ihre Innovation dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Ammann und Frühauf sind die Gründerinnen von Softletics – einem Start-up, das individuell anpassbare Prothesen mit einem Online-Bestellsystem kombiniert. Ziel ist es, den Zugang zu Prothesen zu demokratisieren und auch unterversorgte Bevölkerungsgruppen in abgelegenen Regionen zu erreichen.
Das DWIH hat uns den Zugang zu relevanten Akteuren ermöglicht und uns sprachlich wie kulturell unterstützt.
Cara Ammann
Die Idee überzeugte: Softletics sicherte sich 2025 den Sieg bei „Startups Connected“, einem Wettbewerb des DWIH São Paulo für deutsche Start-ups mit innovativen Lösungen im globalen Gesundheitswesen. Die Gründerinnen gewannen eine einwöchige Roadshow in Brasilien sowie eine einjährige Mitgliedschaft bei der AHK São Paulo. Die Reise im November 2025 – organisiert und begleitet vom DWIH – erwies sich als entscheidender Türöffner: „Das DWIH hat uns den Zugang zu relevanten Akteuren ermöglicht und uns sprachlich wie kulturell unterstützt“, erklärt Ammann.
Aus der Roadshow sind nachhaltige Kontakte entstanden. Einige brasilianische Sportler mit Behinderung testen derzeit die Softletics-Prothesen im Training und geben Feedback. Zudem stehen die Gründerinnen mit Kliniken und möglichen Produktionspartnern im Austausch, um eine Fertigung in Brasilien zu prüfen. Auch bei den nächsten Schritten auf dem brasilianischen Markt begleitet das DWIH die Gründerinnen: „Wir stehen nach wie vor in engem Kontakt“, bestätigt Ammann. „Besonders hilfreich ist für uns die Unterstützung bei der Kommunikation mit lokalen Stakeholdern sowie bei marktspezifischen und regulatorischen Fragen.“
Wissenschaftlerin Andréia Fressatti Cardoso sieht Deutschland als interessante Option für ihren nächsten Karriereschritt. | © Andréia Fressatti Cardoso
Nach der Promotion für die weitere Forschung nach Deutschland? Dieser Karriereschritt ist für Andréia Fressatti Cardoso eine spannende Option. Die brasilianische Wissenschaftlerin beschäftigt sich mit den Rechten von Migrantinnen und Migranten ohne regulären Aufenthaltsstatus – mit einem Schwerpunkt auf den USA. Im September 2025 wurde sie an der Universidade de São Paulo promoviert.
Schon einige Monate zuvor, im März 2025, besuchte sie den Workshop „Postdoc in Germany“ im Goethe-Institut São Paulo. Hauptorganisator der Veranstaltungsreihe ist das DWIH, das mit den Workshops ein klares Ziel verfolgt: deutsche Hochschulen und Fördereinrichtungen mit Forschenden aus Brasilien zu vernetzen – und so persönliche Begegnungen, Orientierung und Kontakte zu ermöglichen.
Deutschland ist zu einem zentralen Ziel meiner wissenschaftlichen Laufbahn geworden.
Andréia Fressatti Cardoso
Wie gut das gelingt, zeigt sich am Beispiel der jungen Wissenschaftlerin. Zwar hatte Cardoso schon von den Möglichkeiten in Deutschland gehört, doch ob ihr Forschungsschwerpunkt auf Interesse stoßen würde, war für sie zunächst offen. „Umso überraschter war ich, als mir eine Professorin aus Deutschland vorgestellt wurde, die sich für meine Forschung interessierte“, berichtet sie. Besonders prägend sei die Abschluss-Session gewesen, in der sie direkt mit Universitäts- und Fördervertretenden sprechen konnte. Die neuen Kontakte nutzte sie später, um ihre nächsten Schritte vorzubereiten.
Ende 2025 bewarb sich Cardoso schließlich für das CAPES-Humboldt-Forschungsstipendium, das Postdocs aus Brasilien bei ihren Forschungsvorhaben in Deutschland unterstützt. Unabhängig vom Ausgang der Bewerbung ist für sie klar: „Deutschland ist zu einem zentralen Ziel meiner wissenschaftlichen Laufbahn geworden. Entscheidend dazu beigetragen hat der Workshop des DWIH – er hat mein Interesse an Deutschland geweckt und wurde daher zu einem wichtigen Kompass für meine weitere Karriere.“
Wie lassen sich städtische Bussysteme elektrifizieren? Mit dieser Frage beschäftigen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Forschungscampus Mobility2Grid in Berlin – darunter Dr. Martin Gegner vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. „Mobility2Grid bringt Partner aus Wissenschaft und Industrie zusammen und hat unter anderem die Berliner Verkehrsbetriebe und die Berliner Stadtreinigung bei der Elektrifizierung ihrer Flotten unterstützt“, erklärt er.
Dr. Martin Gegner knüpfte beim vom DWIH São Paulo mitorganisierten Symposium in Rio de Janeiro wichtige Kontakte für neue Kooperationen. | © Mobility2Grid
Doch der Blick der Berliner Forschenden reicht längst über Deutschland hinaus. Sichtbar wurde das im September 2025 in Rio de Janeiro: Bei einem hybriden Symposium mit knapp 70 Teilnehmenden diskutierten Fachleute über Hürden und Innovationen bei der Umstellung auf elektrische Busse. Organisiert wurde die Veranstaltung von DWIH São Paulo, Mobility2Grid und der Universidade Federla do Rio de Janeiro (UFRJ) – und steht damit sinnbildlich für die Rolle des DWIH: Wissenschaft, Politik, Industrie und Gesellschaft zusammenbringen, um gemeinsam passende Lösungen zu entwickeln.
Besonders wertvoll sind die Informationen über potenzielle Partner – Kontakte, die ohne das DWIH São Paulo schlicht nicht zugänglich wären.
Dr. Martin Gegner
Martin Gegner bezeichnet das Symposium in Rio als „Meilenstein“ für Mobility2Grid: „Unmittelbar als Ergebnis haben sich für uns mehrere Forschungskooperationen ergeben, etwa mit der UFRJ und der Universidade Presbiteriana Mackenzie in São Paulo.“ Das DWIH übernimmt dabei eine Schlüsselrolle: Für Gegner ist es die erste Anlaufstelle bei Kooperationsideen mit Blick auf Brasilien und Lateinamerika. „Besonders wertvoll sind die Informationen über potenzielle Partner – Kontakte, die ohne das DWIH São Paulo schlicht nicht zugänglich wären“, so der Wissenschaftler.
Folglich werden Mobility2Grid und das DWIH die Zusammenarbeit 2026 ausbauen: Geplant sind digitale Formate zu Technologien der Energie- und Verkehrswende sowie Workshops zu Reallaboren – also Testräumen, in denen Innovationen rund um Energie und Verkehr unter realen Bedingungen erprobt werden.
Partner mit Geschichte: Auf einer Anhöhe im Norden Rio de Janeiros befindet sich der Hauptsitz der Fundação Oswaldo Cruz – kurz Fiocruz. Seit ihrer Gründung 1900 gilt sie als führende Institution für Gesundheitsforschung in Lateinamerika. Die dem Gesundheitsministerium zugeordnete Einrichtung verbindet Forschung, Innovation und Produktion. So zählt das Institut für Immunbiologische Technologie (Bio-Manguinhos) zu den weltweit wichtigsten Herstellern des Impfstoffs gegen Gelbfieber. | © Donatas Dabravolskas/stock.adobe.com
Hilfe gegen Skorpionstiche und Dengue: Am Instituto Butantan in São Paulo arbeiten Forschende mit einem der gefährlichsten Tiere Brasiliens – dem gelben Skorpion. Um Betroffene behandeln zu können, gewinnen die Forschenden das Gift der Tiere und entwickeln daraus Gegengifte. Darüber hinaus entwickelten Forschende des Instituts den weltweit ersten Einzeldosis-Impfstoff gegen Dengue. | © José Felipe Batista
Hoch hinaus fürs Klima: Mitten im Amazonas liegt die Forschungsstation ATTO (Amazon Tall Tower Observatory). Seit 2009 untersuchen deutsche und brasilianische Forschende dort die Wechselwirkungen zwischen Regenwald, Atmosphäre und Klima. Das Projekt wird gemeinsam von den Max-Planck-Instituten für Biogeochemie in Jena und für Chemie in Mainz sowie vom brasilianischen Instituto Nacional de Pesquisas da Amazônia und der Universidade do Estado do Amazonas in Manaus geleitet. | © Jorge Saturno
Ein Dach für mehr als 100 wissenschaftliche Gesellschaften: Die Brasilianische Gesellschaft für den Fortschritt der Wissenschaft setzt sich seit ihrer Gründung 1948 für wissenschaftlichen Fortschritt, Bildung und Wissenschaftskommunikation in Brasilien ein. | © Jardel Rodrigues
Wer in der Bay Area wissenschaftlich Fuß fassen will, braucht vor allem eines: Zugang zu den richtigen Netzwerken – und jemanden, der Kontakte in Kooperationen verwandelt. Für die TU München (TUM) übernimmt das in San Francisco Tim Bombosch, PhD, als Senior Regional Manager North America und Liaison Officer. Sein Job ist klar umrissen: „Meine Aufgabe besteht in erster Linie darin, Forschungskooperationen zwischen der TUM und nordamerikanischen Universitäten zu unterstützen“, sagt er. Dazu kommen Alumniarbeit, Marketing und Rekrutierung.
Dr. Tim Bombosch, PhD, an seinem Schreibtisch in New York | © Brenda Lamboy/TUM San Francisco
Wir wollen in Nordamerika innovative Partnerschaften fördern und Brücken zwischen Menschen, Institutionen und Kulturen bauen.
Tim Bombosch, PhD
Wie Networking in der Praxis aussieht, zeigte sich beim Event „Career Fair & Networking Reception“ im September 2025 San Francisco: „Der Tag war eine gute Gelegenheit für uns, die Kompetenzen der TUM in den Bereichen Medizintechnik, Biotechnologie und Unternehmertum zu präsentieren“, so Bombosch. Eine zweite Session konzentrierte sich auf die Nachhaltigkeit in unterschiedlichen Forschungsbereichen – auch mit Blick auf potenzielle Studierende und Forschende für die TUM: „Wir möchten Talente aus Nordamerika und anderen Teilen der Welt für Deutschland gewinnen. Wir möchten sie zu einem Teil unserer Gemeinschaft machen.“
Damit aus guten Gesprächen belastbare Kontakte werden, setzt Bombosch auf ein starkes deutsches Netzwerk in San Francisco. Er fühlt sich gut unterstützt – unter anderem durch das DWIH. Für ihn ist die Zusammenarbeit mehr als ein organisatorisches Plus: „Wir wollen in Nordamerika innovative Partnerschaften fördern und Brücken zwischen Menschen, Institutionen und Kulturen bauen.“ Wie groß der Effekt dieser Unterstützung ist, bringt er so auf den Punkt: „Meine Arbeit wird durch das DWIH, das Konsulat und die Deutsche Forschungsgemeinschaft um das Hundertfache erleichtert.“
Prof. Dr. Claus-C. Glüer | © privat
Zwischen Kiel und San Francisco liegen rund 8.820 Kilometer Luftlinie. Trotzdem arbeiten Forschende an beiden Orten so eng zusammen, als säßen sie im selben Labor. Ihr Ziel: medizinische KI voranbringen, ohne dass sensible Patientendaten den Atlantik überqueren müssen.
Möglich macht das der „AI Exchange“, eine Kooperation zwischen dem Intelligent Imaging Lab der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und dem Center for Intelligent Imaging der University of California, San Francisco (UCSF). Angestoßen haben das Projekt Claus-C. Glüer, Professor für Medizinische Physik an der CAU, und Professorin Sharmila Majumdar, Leiterin des Center for Intelligent Imaging an der UCSF. Der Ansatz: „Federated Learning“. Die Idee dahinter ist einfach: „Wir teilen Modelle und Methoden, nicht Patientendaten. Genau darin liegt die Stärke unseres Ansatzes“, erläutert Glüer.
Aus „AI Exchange“ ist inzwischen ein KI-Programm entstanden, das einfache Röntgenbilder auswertet und das Frakturrisiko bei Osteoporosepatientinnen und -patienten präziser vorhersagen kann als die klassische Knochendichtemessung. Gerade in Weltregionen, in denen zwar Röntgengeräte verfügbar sind, aber keine spezialisierten Diagnosesysteme, eröffnet das neue Möglichkeiten.
Durch die Formate des DWIH wird aus einer technischen Idee eine belastbare transatlantische Partnerschaft.
Prof. Dr. Claus-C. Glüer
Doch damit aus einem Konzept wie dem „AI Exchange“ echte Zusammenarbeit wird, braucht es mehr als innovative Technologie – es braucht Begegnungen, Formate und Sichtbarkeit. Genau da setzt das DWIH an: Es unterstützt Glüers Team dabei, die Partnerschaft mit der UCSF auszubauen, schafft Räume für fachlichen Austausch zu Federated Learning und KI-Bildgebung und sorgt dafür, dass die Kooperation wahrgenommen wird. „Durch die Formate des DWIH wird aus einer technischen Idee eine belastbare transatlantische Partnerschaft“, sagt Glüer.
Was diese Unterstützung konkret bewirkt, beschreibt Glüer so: „Der direkte Kontakt wirkt zweifach: inhaltlich, denn Kalifornien ist uns bei KI einfach voraus, – und emotional. Wenn ein Doktorand bei einer Konferenz von einem Star der KI-Szene für sein Poster gelobt wird, gibt das Motivation für Forschungsjahre, die durchaus stressig werden dürften.“ Neben fachlicher Inspiration gehe es ihm auch um etwas Grundsätzlicheres: „Gerade in diesen Zeiten müssen wir die transatlantische Partnerschaft und das Wissenschaftsethos bewahren und stärken.“
Für Professorin Lucie Heinzerling ist der Alltag eng getaktet: Sprechstunde, Ambulanz, Studienzentrum, interdisziplinäre Fallbesprechung, Toxizitätsboard – und dazwischen Forschung und Lehre. In San Francisco kam eine weitere Disziplin dazu: in wenigen Minuten erklären, warum eine Idee zählt – und wer sie mit auf den Weg bringen kann. Die Professorin für Dermatologie und Venerologie mit Schwerpunkt Dermato-Onkologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München hat diesen Perspektivwechsel erlebt.
Prof. Dr. Lucie Heinzerling | © privat
„Learning, Meeting, Pitching“ – mit diesen drei Worten beschreibt Heinzerling ihre Tage in der Bay Area. Den Rahmen dafür bot das Programm „Women in Entrepreneurship“ des DWIH in Kooperation mit der GUILD Academy: ein Format, das Wissenschaftlerinnen dabei unterstützt, aus Forschungsideen belastbare Innovationsvorhaben zu entwickeln – inklusive Austausch mit Gründerinnen, Mentoring und Pitch-Training.
Für Heinzerling war das Programm ein Türöffner in ein Innovationsökosystem, in dem Ideen konsequent weitergedacht werden. „Besonders gut auf Erfinderinnen im Arbeitsleben abgestimmt waren die Schulungsmodule, die abends stattfanden und neben neuem Wissen im Bereich Entrepreneurship auch die Risikofreude stärkten“, sagt Heinzerling. Gerade diese geschützte Zeit ohne andere Verpflichtungen ist ein Erfolgsfaktor, um Spin-offs aus dem klinischen Umfeld voranzubringen. Dabei unterstützt das DWIH: als Plattform und Beschleuniger für wissenschaftsbasierte Innovation. Es bringt Forschende wie Heinzerling mit den richtigen Personen zusammen, schafft Formate, in denen Ideen geschärft und ausprobiert werden, und macht sichtbar, wo aus deutscher Spitzenforschung konkrete nächste Schritte entstehen. Für Heinzerling bedeutet das: neue Gespräche, neue Zugänge – und ein Netzwerk, das bleibt.
Besonders gut auf Erfinderinnen im Arbeitsleben abgestimmt waren die Schulungsmodule, die abends stattfanden und neben neuem Wissen im Bereich Entrepreneurship auch die Risikofreude stärkten.
Prof. Dr. Lucie Heinzerling
Transatlantisch vernetzt: Die University of California (UC), Berkeley, zählt zu den prägenden Institutionen für globale Gesundheit weltweit. Sie bündelt Spitzenforschung, Daten- und Methodenkompetenz sowie interdisziplinäre Zusammenarbeit. So entstehen Ansätze, die von Prävention und Public Health bis zu globalen Krisenreaktionen reichen. Das DWIH kooperiert in verschiedenen Projekten mit der UC. | © picture alliance / Newscom | Image of Sport
Weltweit führend: Die Stanford University und die Stanford University School of Medicine gehören zu den einflussreichsten Akteuren der Bay Area im Bereich globale Gesundheit. Sie prägen Biomedizin, öffentliche Gesundheit, Genomik, KI-gestützte Gesundheitsforschung und translationale Medizin. Durch Kooperationen mit regionalen und internationalen Partnern – darunter das DWIH – sowie durch ihre Anziehungskraft für öffentliche Fördermittel und private Investitionen beschleunigt Stanford den Weg von der Entdeckung zur Anwendung. | © picture alliance / Newscom | Image of Sport
Forschungsstark: Die Gladstone Institutes sind ein unabhängiges, gemeinnütziges biomedizinisches Forschungsinstitut. Mit Schwerpunkten auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, viralen Erkrankungen und neurologischen Krankheiten verbinden sie Grundlagenforschung mit translationalen Ansätzen. Der Innovation Summit des DWIH San Francisco fand 2025 in den Räumlichkeiten der Gladstone Institutes statt. | © AdobeStock
Interdisziplinär und innovativ: Der Chan Zuckerberg Biohub ist eine gemeinnützige Organisation, die Forschende zusammenbringt, um neue Ansätze zu Prävention, Diagnose und Behandlung von Krankheiten zu entwickeln. Im Fokus stehen interdisziplinäre Forschung und technologische Innovationen mit globaler Relevanz – etwa in der Infektionsbiologie oder bei neuen Diagnosemethoden. | © picture alliance / ZUMAPRESS.com | Vincent D. Johnson
Datengetrieben: Das California Institute for Quantitative Biosciences (QB3) ist ein Forschungs- und Technologieverbund von UC Berkeley, UC San Francisco und UC Santa Cruz. Im Zentrum stehen quantitative Ansätze, die die Biowissenschaften beschleunigen – von Bioinformatik bis zur biomedizinischen Datenanalyse. QB3 verknüpft Expertise, Infrastruktur und Transfer über Campusgrenzen hinweg. | © AdobeStock
Kapitalstark: Die Bay Area ist Sitz Hunderter Biotech- und Health-Tech-Unternehmen – etwa Genentech, Gilead, 23andMe oder Verily –, die mit hohen Investitionen in Forschung und Entwicklung und einer großen Innovationskraft den Fortschritt im Bereich globale Gesundheit maßgeblich vorantreiben. | © Genentech
Molekularbiologin Dr. Komali Valishetti (M.) und ihre Mitgründerinnen Dr. Tamasri Senapati (l.) und Dr. Ahed Almalla | © RENATRIX
„Ich bin Molekularbiologin und habe mir während meiner Ausbildung meist eine Karriere in der Forschung vorgestellt. Unternehmertum war nicht Teil des Plans. Über das Programm ‚Innovators Connect – Tandem‘ des DWIH Neu-Delhi bin ich zum ersten Mal mit der Idee eines eigenen Start-ups in Berührung gekommen. Das Programm eröffnete mir eine neue Perspektive: Wissenschaftliche Lösungen können in der realen Welt etwas bewirken.
Wissenschaftler bringen viele Eigenschaften mit, die man auch als Unternehmer braucht: Problemlösungskompetenz, Ausdauer und die Fähigkeit, schnell zu lernen. Trotzdem gibt es natürlich große Unterschiede zwischen diesen beiden Welten. ‚Innovators Connect – Tandem‘ bot einen sicheren Raum, das Unternehmertum zu erkunden, ohne schon alles wissen zu müssen.
Das Programm brachte mich mit Mentoren, Gründerinnen und anderen Forschenden zusammen. Die Gespräche haben mir gezeigt, dass man ins Unternehmertum hineinwächst. Es gibt keinen festgelegten Weg. Rückblickend ist es interessant zu sehen, wie sehr ein solches Programm das Leben eines Menschen verändern kann.
Das Programm eröffnete mir eine neue Perspektive: Wissenschaftliche Lösungen können in der realen Welt etwas bewirken.
Dr. Komali Valishetti
Zuvor hatte ich in Deutschland studiert und wurde dort auch promoviert, so bin ich auf das DWIH Neu-Delhi in meiner Heimat Indien aufmerksam geworden. Später hatte ich über das Programm „Women in Entrepreneurship“ des DWIH San Francisco auch die Gelegenheit, die Start-up-Szene in der Bay Area kennenzulernen. Ich habe also in vielfacher Hinsicht vom weltweiten DWIH-Netzwerk profitiert.
Jede Umgebung hat ihre eigene Energie und Herangehensweise an Innovation. Meine Aufenthalte in Indien, Deutschland und den USA haben mich anpassungsfähiger und aufgeschlossener gemacht. Und sie gaben mir das Selbstvertrauen weiterzumachen: Ende 2025 habe ich in Berlin gemeinsam mit zwei Geschäftspartnerinnen das Biotech-Start-up Renatrix gegründet.“
Zum Interview mit Dr. Komali Valishetti auf www.dwih-newdelhi.org
„Einzigartig“ sei das Format „Innovators Connect – Tandem“, sagt Dr. Mugdha Lele. Vor allem wegen des binationalen Zuschnitts: Je eine Teilnehmerin oder ein Teilnehmer aus Indien und aus Deutschland entwickeln gemeinsam eine Start-up-Idee und präsentieren sie vor einer Jury aus Fachleuten. Lele war 2025 Mitglied dieser Jury – eben weil sie vom Konzept des Wettbewerbs überzeugt ist.
Start-up-Mentorin Dr. Mugdha Lele saß in der Jury bei „Innovators Connect – Tandem“. | © privat
Die Gesundheitswissenschaftlerin kennt sich gut aus an der Schnittstelle von Forschung und Unternehmertum: Sie ist Head of Pre-incubation and Learning beim Venture Center in Pune. Das Venture Center ist Indiens führendes Wissenschafts- und Technologie-Gründerzentrum für Deep-Tech- und forschungsorientierte Start-ups. Lele weiß, dass Formate wie „Innovators Connect – Tandem“ für angehende Gründerinnen und Gründer immens wichtig sind: „Eine frühzeitige Verbindung zwischen Start-up-Gründern und Forschern sowie internationalen Ökosystemen ist entscheidend, etwa um Mitgründer und strategische Partner zu finden.“
Von den Ergebnissen der Tandems 2025 war sie angetan: „Am Pitch-Tag wurden mehrere interessante Ideen vorgestellt. Trotz der kurzen Dauer des Programms waren die Ideen detailliert ausgearbeitet.“ Auch darüber hinaus sieht sie Potenzial für die deutsch-indische Zusammenarbeit. „Das Interesse an einer Partnerschaft ist sehr groß, insbesondere in Bereichen wie Medizinprodukte und Diagnostik, Lebensmittel, Ernährung, Agrartechnologie, Nachhaltigkeit und saubere Energie.“
Eine frühzeitige Verbindung zwischen Start-up-Gründern und Forschern sowie internationalen Ökosystemen ist entscheidend.
Dr. Mugdha Lele
Zum Interview mit Dr. Mugdha Lele auf www.dwih-newdelhi.org
Die Universität Bonn ist seit 2025 strategischer Partner des DWIH Neu-Delhi – ganz neu ist die Verbindung zwischen der Hochschule und dem DWIH-Netzwerk aber nicht. Auch mit den Häusern in Tokyo und São Paulo ist die Universität assoziiert und hat dabei gute Erfahrungen gemacht: „Durch die kontinuierliche Information aus den DWIH wissen wir viel besser darüber Bescheid, wie die japanische beziehungsweise die brasilianische Hochschul- und Forschungslandschaft sich entwickeln“, sagt Professorin Dr. Birgit Ulrike Münch, Prorektorin für Internationales. „Diesen hervorragenden Informationsfluss erhoffen wir uns auch von der neuen Partnerschaft mit dem DWIH Neu-Delhi.“
Prof. Dr. Birgit Ulrike Münch ist Prorektorin für Internationales der Universität Bonn. | © Bernadett Yehdou
Von unserer Partnerschaft erhoffen wir uns einen hervorragenden Informationsfluss zur indischen Hochschul- und Forschungslandschaft.
Dr. Birgit Ulrike Münch
Indien ist für die Universität Bonn zunehmend wichtig. „Ganz offensichtlich besteht dort sehr viel Potenzial für Forschungskooperationen und auch für die systematische Gewinnung von jungen Wissenschaftlern für unsere PhD-Programme“, so Prorektorin Münch.
Vor Kurzem hat die Universität Bonn eine Kompetenzstelle China-Indien im Prorektorat für Internationales eingerichtet. Doch um die eigene Sichtbarkeit in der Region zu erhöhen, sei die Kooperation mit Akteuren vor Ort wie dem DWIH Neu-Delhi unerlässlich, sagt Münch. „Wir erhoffen uns, gemeinsam mit dem DWIH und gegebenenfalls mit anderen Partnern erfolgreiche Veranstaltungen in Indien durchführen zu können.“
Gesundheit für alle: Das Ministry of Health and Family Welfare unter Minister Jagat Prakash Nadda (l.) ist für die gesamte Gesundheitspolitik Indiens zuständig. Unter anderem baut es derzeit das größte Krankenversicherungssystem der Welt auf und entwickelt eine nationale digitale Gesundheitsinfrastruktur. | © dpa/pa
Lange Forschungstradition: Das Indian Council of Medical Research (ICMR) gilt als eine der ältesten und größten medizinischen Forschungsorganisationen der Welt und ist maßgeblich beteiligt an Koordination und Förderung biomedizinischer Forschung in Indien. Zudem führen die 26 ICMR-Institute selbst Forschung durch, die sich an den nationalen Prioritäten orientiert, darunter Mutter-Kind-Gesundheit und die Bekämpfung von Infektionskrankheiten. ICMR ist die Implementierungsinstitution der National One Health Mission. | © Shutterstock
Fokus Biotechnologie: Das Department of Biotechnology (im Bild: Leiter Prof. Rajesh S. Gokhale) ist dem indischen Wissenschaftsministerium zugeordnet und zuständig für die Förderung von biotechnologischer Forschung und deren Anwendung. Das Ziel: Indien zu einem globalen Zentrum für Biotechnologie zu entwickeln. | © Indian Ministry of Health and Family Welfare
Standards in der medizinischen Ausbildung: Das All India Institute of Medical Sciences ist eine Gruppe medizinischer Hochschulen in zahlreichen indischen Bundesstaaten, die dem Gesundheitsministerium unterstehen. Sie bieten Studienprogramme in Medizin und Naturwissenschaften an und setzen damit einen landesweiten Standard in der Ausbildung. | © Vishnoi M - Own work, CC BY-SA 4.0
Für eine bessere öffentliche Gesundheit: Die Public Health Foundation of India (PHFI) ist eine Forschungs- und Bildungseinrichtung im Bereich öffentliche Gesundheit. Sie betreibt sechs Indian Institutes of Public Health, die spezielle Postgraduiertenstudiengänge anbieten. Hier Dr. Raj Shankar Ghosh, Senior Advisor One Health und Environmental Health der PHFI, bei einem DWIH-Event | © DWIH Neu-Delhi, DAAD
Expertise für die Gesundheitspolitik: Das Office of the Principal Scientific Advisor (PSA) to the Government of India berät den Premierminister und das Kabinett in Fragen von Wissenschaft und Technologie. Es fungiert als Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Industrie, Behörden und internationalen Partnern, um Indiens wissenschaftlich-technologische Entwicklung strategisch voranzutreiben. Im Bild der aktuelle PSA Prof. Ajay Kumar Sood (l.) | © dpa/pa
„Erst, als ich angefangen habe, mit Papier und einem abbaubaren Bioplastik zu arbeiten, wurde mir klar, wie einfach es ist, mit Plastik zu arbeiten“, sagt Koichiro Fukasawa und lacht. Der Gründer und CEO des Tokyoter Start-ups Camino entwickelt seit zehn Jahren Essgeschirr aus abbaubaren Materialien. „In Japan reicht es nicht, dass ein Produkt nachhaltig ist, es muss auch gut aussehen, sich schön anfühlen – und am besten noch eine Geschichte erzählen.“
Start-up-Gründer Koichiro Fukasawa | © DWIH/Daniel Calvert
Und diese Geschichte erzählt Fukasawa beim zweitägigen Symposium „Sustainable Consumption and Production“ des DWIH Tokyo im Dezember 2025, während die Besucherinnen und Besucher ihren Kaffee aus Camino-Bechern trinken und aufmerksam zuhören. Wie er, Fukasawa, mit unterschiedlichen Materialien experimentierte und doch nicht zufrieden mit deren Beschaffenheit und Haltbarkeit war, bis er sich auf die Bedeutung von Papier in der japanischen Kultur besann. Papier, vor allem das handgeschöpfte Washi, ist in Japan zentraler Bestandteil von Religion, Alltag und Kunst.
Über unsere Produkte gelingt es uns, einen Industriezweig nachhaltiger zu gestalten.
Koichiro Fukasawa
Dass sein Unternehmen inzwischen mit vielen Cafés, Kantinen und Hotels zusammenarbeiten kann, schätzt Fukasawa als großes Glück. „Über unsere Produkte gelingt es uns, einen Industriezweig nachhaltiger zu gestalten.“ Dieser konsequente Ansatz sicherte Fukasawa mit Camino auch den Sieg beim AsiaBerlin Summit Tokyo 2024, einem vom DWIH Tokyo mitorganisierten Pitch-Wettbewerb. Als Gewinner reiste er im November zum AsiaBerlin Summit in Deutschland, um seine Vision vor internationalem Fachpublikum und Investorinnen und Investoren zu präsentieren. „Das waren wirklich spannende Einblicke dort“, sagt er. „Deutschland gehört in Bezug auf Nachhaltigkeit zu den führenden Ländern und gerade in Berlin ist die Bereitschaft der Menschen, nachhaltig zu leben, sehr groß.“ Er könne sich gut vorstellen, langfristig auch den deutschen oder europäischen Markt für seine Produkte in den Blick zu nehmen.
Mehtap Özaslan, Professorin der Universität Hamburg | © ITEC@Özaslan
Die Chemikerin Mehtap Özaslan erinnert sich noch gut an das Gefühl, als sie im August 2025 zusammen mit einer Delegation aus Deutschland das Gelände der Expo 2025 in Osaka betrat: Die eindrucksvolle Größe des „Grand Ring“, die Hitze des japanischen Sommers – und dann der Deutsche Pavillon, in dem sie kurz darauf über ihr Herzensthema sprechen durfte: Grünen Wasserstoff. „Ich war schon aufgeregt“, erzählt die Professorin der Universität Hamburg.
Erst drei Jahre zuvor war sie erstmals in Japan gewesen, um eine vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderte Forschungspräsenz an der Universität Yamanashi aufzubauen. „Aber als ich dann zusammen mit Professor Katsuyoshi Kakinuma unsere Arbeit vorstellen konnte, spürte ich, wie gut unsere Länder zusammenarbeiten, wie respektvoll unsere Kulturen miteinander umgehen und wie stark wir als bilaterales Team agieren!“
Schon bei meinem ersten Besuch habe ich das DWIH Tokyo kennengelernt, und es hat uns hervorragend unterstützt.
Prof. Dr. Mehtap Özaslan
Der Projektbeginn 2022 war ein Schnellstart für die deutsch-japanische Zusammenarbeit im Bereich Grüner Wasserstoff: „Schon bei meinem ersten Besuch habe ich das DWIH Tokyo kennengelernt, und es hat uns hervorragend unterstützt – nicht nur beim Vernetzen mit wichtigen Forschungseinrichtungen, sondern indem es uns genau erklärt hat, wie die japanische Forschungslandschaft funktioniert.“ Auch bei der Eröffnung des Japanese-German Green Hydrogen Material Laboratory an der Universität Yamanashi im September 2023, das die Entwicklung kostengünstiger und langlebiger Katalysatoren für die Wasserstofftechnologie zum Ziel hat, war das DWIH anwesend.
Inzwischen beinhaltet die deutsch-japanische Kooperation neben dem Austausch von Promovierenden und Studierenden auch das Ziel, ein International-Research-Training-Group-Programm für Promovierende (Graduate Externship) sowie ein Double-Degree-Masterprogramm zwischen der Universität Yamanashi und der Universität Hamburg aufzubauen. „Wir haben die Zusammenarbeit als Bottom-up-Projekt gestartet. Das war mutig, hat den Prozess aber extrem beschleunigt. Vor Kurzem haben wir ein Memorandum of Understanding zwischen unseren Universitäten unterschrieben.“
An der Eröffnung des Japanese-European Clean Energy Material Research Hubs an der Universität Hamburg 2026 nahm auch Dr. Carsten Walbiner, Leiter des Referats Forschungsprogramme im DAAD, teil. Die DAAD Green Hydrogen Research Tour machte zudem Halt an Özaslans beiden Forschungsstandorten an der Universität Hamburg und am Hydrogen Terminal Braunschweig. „Man braucht Mut, um in der Anwendung zu Grünem Wasserstoff Schritt zu halten“, sagt Mehtap Özaslan. „Wir haben viele offene Forschungsfragen, aber wenn wir kostengünstige und effizientere Materialien und Prozesse entwickeln, können wir den Grünen Wasserstoff auch günstiger und skalierbarer implementieren – damit schlägt die Wissenschaft eine Brücke zur Industrie und wirkt selbst wie ein Katalysator.“
Dr. Carolina Kawakubo leitet NRW.Global Business Japan. | © NRW.Global Business Japan
Menschen, die in verschmutzte, kontaminierte oder mit ätzenden Substanzen verunreinigte Tanks klettern, um diese auf mögliche Schäden zu prüfen? Für das Tokyoter Start-up Hibot gehört diese gefährliche Arbeit der Vergangenheit an. Ein ferngesteuerter „Float Arm“, den das Unternehmen nach der Inspektion von Wassertanks im havarierten Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi entwickelt hat, soll diese Arbeit sicherer gestalten. Seine innovative Idee – vor allem aber, wie der Schritt nach Aachen und die Anbindung an die RWTH Aachen gelungen ist – stellte das Unternehmen Anfang 2025 während eines Start-up-Bootcamps in Tokyo vor.
Die Veranstaltung wurde gemeinsam von NRW.Global Business Japan und dem DWIH Tokyo organisiert. „Japanische Start-ups beim Markteintritt in Deutschland zu unterstützen, ist neben der Beratung von großen und mittelständischen Unternehmen eine unserer wichtigsten Aufgaben“, sagt Dr. Carolina Kawakubo, Direktorin und Präsidentin von NRW.Global Business Japan, der Außenwirtschaftsförderungsgesellschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. „Start-ups haben häufig noch kein fertiges Produkt oder eine fertige Dienstleistung. Daher ist die Anbindung an eine Hochschule oder Wissenschaftseinrichtung sehr attraktiv – und hier ergänzen wir uns gut mit den Erfahrungen und Kontakten des DWIH.“
Carolina Kawakubo leitet NRW.Global Business Japan seit 2024 und hat sich zum Ziel gesetzt, gerade auch die zukunftsweisenden Seiten von Deutschland bekannter zu machen. „Deutschland bietet einen sehr guten Mix: Es ist sehr verlässlich, liegt zentral in Europa und die Universitäten bringen viele Talente hervor. Zudem ist das Preisniveau bei Löhnen für hoch qualifizierte Akademikerinnen und Akademiker moderat.“
Gerade im Bereich der Forschungslandschaft und beim Zugang zu Talenten können wir auf das DWIH Tokyo zählen.
Dr. Carolina Kawakubo
Der Schritt nach Deutschland ist für japanische Firmen momentan interessant: Der schwache Yen macht den Export attraktiv. Der demografische Wandel in Japan lässt die Beschäftigung in vielen Branchen zurückgehen. „Jetzt denken sogar mittelständische Unternehmen in Japan, die traditionell keine internationalen Ambitionen hatten, über einen Schritt ins Ausland nach.“
Auch hier kommt die langjährige Verbindung zum DWIH zum Tragen: „Gerade im Bereich der Forschungslandschaft und beim Zugang zu Talenten können wir auf das DWIH Tokyo zählen, gemeinsam Veranstaltungen organisieren und Beratungen anbieten.“ Dass das Büro von NRW.Global Business Japan fußläufig nur zehn Minuten vom Deutschen Kulturzentrum entfernt ist, in dem das DWIH seinen Sitz hat, erleichtert die Arbeit: „Wenn wir gute Kontakte erhalten, können wir sie uns quasi über die Straße zurufen.“
Strategische Forschungsförderung – Die Taktgeber: An der Spitze der japanischen Innovationsstrategie stehen die großen Förderorganisationen mit massiven finanziellen Ressourcen. Die Japan Science and Technology Agency, ein zentraler Partner des DWIH, fördert unter anderem über das ambitionierte „Moonshot“-Programm radikale Innovationen – etwa das Ziel, ein gesundes Altern bis 100 Jahre ohne größere gesundheitliche Einschränkungen zu ermöglichen. Die Japan Agency for Medical Research and Development koordiniert die medizinische Forschung und setzt Schwerpunkte bei Impfstoffinnovationen und digitaler Gesundheit. | © DWIH Tokyo/Laura Blecken
Nationale Forschungszentren – Exzellenz in Anwendung und Prävention: Ein Meilenstein ist die Gründung des Japan Institute for Health Security durch die 2025 vollzogene Fusion des National Center for Global Health and Medicine und des National Institute of Infectious Diseases. Als neues nationales „Kontrollzentrum“ bündelt es klinische Spitzenmedizin mit globaler Infektionsüberwachung. In Kyoto setzt das Center for iPS Cell Research and Application unter Nobelpreisträger Professor Shinya Yamanaka Maßstäbe in der regenerativen Medizin. Das National Center for Geriatrics and Gerontology in der Präfektur Aichi ist die zentrale Referenz für Forschung zur gesunden Langlebigkeit und Demenzprävention. | © Mzaki/Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication
Spitzenuniversitäten – Verbindung von Deep Tech und Medizin: Japans führende Universitäten treiben interdisziplinäre Forschung voran. Das 2024 nach der Fusion zweier führender Universitäten neu gegründete Institute of Science Tokyo markiert als neues Kraftzentrum die Schnittstelle von Ingenieurwesen und klinischer Exzellenz. Die Universität Tokyo adressiert über ihre School of International Health die Auswirkungen des Klimawandels auf die globale Gesundheit. Die Universität Tsukuba gilt als Vorreiter in der Digital-Health-Forschung und der Entwicklung von Assistenzrobotik. | © Institute of Science Tokyo
Regionale Exzellenz und akademische Hubs: Über die Hauptstadt hinaus setzen spezialisierte Hubs entscheidende Impulse. Die Universität Nagasaki beheimatet mit dem Institute of Tropical Medicine Japans führendes Zentrum für vernachlässigte Tropenkrankheiten. Im privaten Sektor ragt die Keio-Universität heraus; ihr Hospital in Tokyo ist ein Spitzenzentrum für biomedizinische Forschung und war 2025 Gastgeber des DWIH-Symposiums „Innovations for an Aging Society“, das den deutsch-japanischen Austausch über gesundes Altern maßgeblich vertiefte. | © Masoud Akbari, CC BY-SA 3.0
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