Hinweis

Für dieses multimediale Reportage-Format nutzen wir neben Texten und Fotos auch Audios und Videos. Daher sollten die Lautsprecher des Systems eingeschaltet sein.

Mit dem Mausrad oder den Pfeiltasten auf der Tastatur wird die jeweils nächste Kapitelseite aufgerufen.

Durch Wischen wird die jeweils nächste Kapitelseite aufgerufen.

Los geht's

DWIH-Jahresbericht 2020

Logo https://pageflow.daad.de/dwih-jahresbericht-2020

Einführung

Zum Anfang
Zum Anfang
Zum Anfang

Die fünf DWIH-Standorte im Fokus

DWIH kompakt

• 5 Innovationsforen an 5 herausragenden Standorten
• eine Initiative von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft
• über 100 Unterstützer weltweit
• Gesamtverantwortung durch den DAAD in Bonn

Tokyo

Deutsches Wissenschafts- und Innovationshaus Tokyo

Neu-Delhi

Deutsches Wissenschafts- und Innovationshaus Neu-Delhi

New York

Deutsches Wissenschafts- und Innovationshaus New York

São Paulo

Deutsches Wissenschafts- und Innovationshaus São Paulo

Bonn

DWIH-Geschäftsstelle Bonn

Moskau

Deutsches Wissenschafts- und Innovationshaus Moskau

Zum Anfang
Zum Anfang

Impressum

Herausgeber
Deutscher Akademischer Austauschdienst e.V. (DAAD)

Kennedyallee 50
D-53175 Bonn

Tel.: +49 228 882-0
Fax: +49 228 882-444

E-Mail: webmaster@daad.de
Internet: www.daad.de

Vertretungsberechtigter Vorstand:
Prof. Dr. Joybrato Mukherjee

Registergericht Bonn
Registernummer VR 2107
Umsatzsteuer-IdNr.: DE122276332

Verantwortlicher i. S. v. § 55 Abs. 2 RStV:
Dr. Kai Sicks

Redaktion und Gestaltung
FAZIT Communication GmbH
Frankfurt am Main

Zum Anfang

0:00
/
0:00
Video jetzt starten
Zum Anfang
0:00
/
0:00
Video jetzt starten
Zum Anfang
0:00
/
0:00
Video jetzt starten
Zum Anfang

Direktor
Dr. Andreas Hoeschen (DAAD)

Programmkoordinator
Mikhail Rusakov

Beiratsvorsitzender
Tobias Stüdemann (Freie Universität Berlin)

Adresse
Deutsches Wissenschafts- und Innovationshaus Moskau
Prospekt Wernadskogo 103
Gebäude 3, Eingang 2
119526 Moskau, Russland

Kontakt
info@dwih-moskau.org
www.dwih-moskau.org

Unterstützer des DWIH Moskau
www.dwih-moskau.org/de/netzwerk/unterstuetzer/
Zum Anfang

Dr. Andreas Hoeschen, Direktor des DWIH Moskau
Dr. Andreas Hoeschen, Direktor des DWIH Moskau
Vollbild
„Als DWIH Moskau unterstützen wir Kooperationen zwischen deutschen und russischen Partnern aus der Wissenschaft, von Hochschulen und Wirtschaftspartnern. In einem riesigen Land wie Russland mit seinen weitverzweigten Wissenschaftszentren wollen wir die relevanten ­Akteure auch in den Regionen erreichen. Wichtig ist uns der partnerschaftliche Ansatz: Die meisten Ver­anstaltungen sind co-organisiert. So stellen wir von vornherein sicher, dass wir auf der russischen Seite viele qualifizierte Adressaten erreichen.“

Dr. Andreas Hoeschen

„Ich hätte im Frühjahr 2020 angesichts der Corona-Pandemie nicht gedacht, dass wir so viele Veranstaltungen umsetzen können“, sagt Dr. Andreas Hoeschen, Direktor des DWIH Moskau. Aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus ersetzte das DWIH Moskau viele Präsenzveranstaltungen durch digitale Formate – und war dabei überaus erfolgreich. „Die digitalen Lösungen haben uns nicht nur geholfen, unsere Veranstaltungen aufrechtzuerhalten. Wir haben sogar mehr Menschen erreicht als zuvor, weil die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht eigens anreisen mussten.“

Zu den neuen Lösungen zählten virtuelle Kontaktmessen: Bei einem digitalen Rundgang konnten die Teilnehmenden Messestände von deutschen und russischen ­Hochschulen, Forschungsinstitutionen und Wissenschaftsförderorganisationen besuchen. In virtuellen Räumen der einzelnen Organisationen konnten sie in digitalen Broschüren blättern, sich über eine Leinwand Präsentationen anschauen und dadurch mit den verschiedenen Förder- und Kooperationsprogrammen vertraut machen. Hinzu kam persönliche Beratung, per Chat und teilweise auch per Video. Allein eine Kontaktmesse für Hochschulkooperation und Wissenschaft im November zählte mehr als 400 Teilnehmende. Dieser vielfältige Austausch passte zu einem Jahr, das von einem besonderen Schwerpunkt des DWIH Moskau geprägt war: Als koordinierende Organisation des Deutsch-Russischen Jahres der Hochschulkooperation und Wissenschaft 2018–2020 steuerte das DWIH Moskau alle Aktivitäten von deutscher Seite in Russland. Über 100 gemeinsame Veranstaltungen von Wissenschaftspartnern beider Länder boten ein reiches Spektrum zu den vier Themenschwerpunkten Hochschulkooperation, Spitzenforschung, Nachwuchsförderung und Innovation. Eine Vielfalt, die sich auch 2020 in den verschiedenen Veranstaltungsformaten spiegelte: vom Begegnungstreffen für Studierende in St. Petersburg zu Jahresbeginn bis zum online ausgerichteten DWIH-Info-Seminar für Hochschulen, Forschungsorganisationen und innovative Unternehmen Sibiriens.

Zentral war der Wettbewerb „Brücken für die deutsch-russische Hochschul- und Wissenschaftszusammenarbeit“, der zur Abschlussveranstaltung des Themenjahres im September 25 deutsch-russische Gewinnerprojekte kürte. Eine Kontaktmesse und zwei Podiumsdiskussionen waren ebenfalls Teil der Abschlussveranstaltung. Dabei nahmen die Teilnehmenden in Studios in Berlin und Moskau Platz. Die Spitzenvertreterinnen und Spitzenvertreter der deutsch-russischen Wissenschaftscommunity diskutierten über Formate und Instrumente sowie Prioritäten der zukünftigen bilateralen Wissenschaftszusammenarbeit; die interessierte Öffentlichkeit konnte sich während der ganzen Veranstaltung aktiv per Videochat dazuschalten. Zur nachhaltigen Kommunikation trägt auch die nach wie vor zugängliche Website des Themenjahres, wissenschaftspartner.de, bei.

AUSTAUSCH MIT DER WIRTSCHAFT
Das DWIH Moskau bindet auch die Wirtschaft immer mit ein. Zentraler Unterstützer dabei: die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK) mit ihren 900 Mitgliedern. Die AHK beteiligt sich an Veranstaltungen, bei denen es um den Transfer und die Anwendung von Wissenschaft geht. Sie geht auf Mitgliedsunternehmen zu, die Interesse an einzelnen Themen haben. Im vergangenen Jahr war die AHK mit an der Organisation der dreiteiligen Online-Veranstaltungsreihe „Die Stadt nach der Pandemie“ beteiligt. Diese fokussierte auf zukunftsfähige und ökologische Stadtplanung und behandelte zudem konkrete Fragen zu Sozialsystemen, Gesundheitsversorgung und neuen Arbeitsmarktbedingungen. Ein weiteres Seminar zu „Umweltfreundlichem Städtebau unter den Bedingungen des Klimawandels“ wurde in Partnerschaft mit der Moskauer Staatlichen Universität für Bauwesen (MGSU) und dem in Russland stark vertretenen Baustoffunternehmen Knauf organisiert.

Gemeinsam Antworten finden – für die Zukunft wie für die ganz aktuellen Herausforderungen der Pandemie: Das stand auch im Fokus der „German-Russian Week of the Young Researcher“, die im Dezember 2020 bereits zum zehnten Mal von DWIH Moskau, DAAD und DFG ausgerichtet wurde. 200 junge Forscherinnen und Forscher nahmen diesmal im Online-Format teil. „Sie haben eindrucksvoll gezeigt, wie sie ihre Kooperationen trotz der Corona-Einschränkungen aufrechterhalten“, sagt Andreas Hoeschen. Auch führte die Woche Spitzen der deutschen und russischen Wissenschaft online zusammen. In einem von zwei Panels sprachen unter anderen DAAD-Präsident Professor Joybrato Mukherjee und DFG-Präsidentin Professor Katja Becker wie auch Professor Wladislaw Pantschenko, Vorsitzender des Rates der Russischen Stiftung für Grundlagenforschung, und Dr. Alexander Chlunow, Generaldirektor der Russian Science Foundation (RSF).

Bei künftigen Veranstaltungen will das DWIH Moskau grundsätzlich digitale Formate mitbedenken. Gleichzeitig sei der persönliche Austausch unersetzbar, um Vertrauen zwischen den Partnern aufzubauen, betont Hoeschen. Das bestehende Vertrauen, das über viele Jahre aufgebaut worden sei, habe in der Ausnahmesituation 2020 die deutsch-russischen Beziehungen getragen. „Beides – das Digitale und die persönliche Präsenz – sollten wir gleichrangig im Blick haben.“ 

Autor
Hendrik Bensch
Dr. Andreas Hoeschen, Direktor des DWIH Moskau
Dr. Andreas Hoeschen, Direktor des DWIH Moskau
Schließen
Zum Anfang

STÄRKE DER DIGITALEN VERNETZUNG

Mikhail Rusakov, Programmkoordinator des DWIH Moskau
Mikhail Rusakov, Programmkoordinator des DWIH Moskau
Vollbild
Natürlich war das DWIH-Schwerpunktthema 2020 „Städte und Klima“ ursprünglich ohne Gedanken an die Corona-Pandemie geplant worden. „Wir haben dann aber auch inhaltlich darauf reagiert“, erzählt Mikhail Rusakov, Programmkoordinator des DWIH Moskau. In der Online-Reihe „Die Stadt nach der Pandemie“ verdeutlichte das DWIH gemeinsam mit dem DAAD und der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK Russland) in St. Petersburg den Veränderungsdruck von Metropolen.

Neue Moskauer Möglichkeiten

Welchen neuen Mix aus Homeoffice und Präsenzarbeit findet die Arbeitswelt – und wie verändert sich dadurch das städtische Leben? Entstehen neue Grünflächen und Rückzugsräume statt Büroimmobilien?

Das sind nur Beispiele für zahlreiche Themen, die von den Fachleuten aus Deutschland und Russland diskutiert wurden. Den Facettenreichtum des DWIH-Schwerpunktthemas zeigte zudem das Seminar „Umweltfreundlicher Städtebau unter den Bedingungen des Klimawandels“ mit der Moskauer Staatlichen Universität für Bauwesen (MGSU) und dem deutschen Bau­stoffunternehmen Knauf als Partnern. Zu Fachgebieten wie Luft-, Wasser- und Bau­stoff­forschung tauschten sich die Expertinnen und Experten per Videokonferenz aus. ­Mikhail Rusakov und das Team des DWIH Moskau nutzten die Möglichkeiten der ­digitalen Vernetzung. So wurde etwa auch eine ursprünglich auf die Region Tomsk konzentrierte Infoveranstaltung in der Stadt zum Online-Seminar für Studierende und Forschende in ganz Sibirien ausgebaut.

Mikhail Rusakov, Programmkoordinator des DWIH Moskau
Mikhail Rusakov, Programmkoordinator des DWIH Moskau
Schließen
Zum Anfang

Erfolgreich im Themenjahr

Blick auf die Internationale Raumstation ISS: ein weiterer Ort deutsch-russischer Kooperation
Blick auf die Internationale Raumstation ISS: ein weiterer Ort deutsch-russischer Kooperation
Vollbild
Mit der Koordination des Deutsch-Russischen Jahres der Hochschulkooperation und Wissenschaft 2018–2020 hat das DWIH Moskau die bilaterale Innovationskultur gezielt unterstützt. Das machte auch ein umfangreicher Wettbewerb deutlich.

Der Anspruch war hoch, die Umsetzung erfolgreich: „Das Deutsch-Russische Jahr der Hochschulkooperation und Wissenschaft 2018–2020 hat die Vielfalt und Tradition der bilateralen Zusammenarbeit gebündelt dargestellt“, sagt Nicole Rohde, die von deutscher Seite für das DWIH ­Moskau und gemeinsam mit dem DAAD und der Nationalen Forschungsuniversität MISIS als russischem Partner die zahlreichen Ver­anstaltungen koordiniert hat. „Das Themenjahr war ein großer Erfolg, weil es der bilateralen Forschungs- und Wissenschaftszusammenarbeit eine Bühne gegeben und deren Sichtbarkeit in der breiten Öffentlichkeit deutlich gesteigert hat.“

Ein herausragendes Format des Themenjahres war der Wettbewerb „Brücken für die deutsch-russische Hochschul- und Wissenschaftszusammenarbeit“ mit 125 Bewerbungen. Die Außenminister Deutschlands und Russlands, Heiko Maas und Sergej Lawrow, zeichneten schließlich im September 2020 insgesamt 25 Kooperationen aus. Ihre Vielfalt reichte vom Dialogprojekt deutscher und russischer Jugendlicher zu Geschichte und Erinnerung bis zur Strategischen Partnerschaft der Technischen Universität Berlin und der St. Petersburger Polytechnischen Universität (SPbPU). Zugleich lenkte der Wettbewerb die Aufmerksamkeit auf Innovationen, die deutsche und russische Partner gemeinsam vorantreiben – besonders vielfältig im Feld der Künstlichen Intelligenz. So wurde zum einen der enge Austausch zweier Professoren von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin und dem Erschow-Institut für Informatik in Nowosibirsk prämiert. Gemeinsam tragen sie zur weiteren Internationalisierung einer Sommerschule bei, die sich neuen Fragen in Informatik und Künstlicher Intelligenz widmet. Die ebenfalls ausgezeichnete Kooperation zwischen der ­Universität Ulm und der Reschetnew Sibirischen Staatlichen Universität für Wissenschaft und Technologien kann bereits auf eine über dreißigjährige Zusammenarbeit in Studium und Erforschung der Künstlichen Intelligenz zurückblicken.

DIE PRAXIS IM BLICK
Mitunter stehen bei den Gewinnern des Wettbewerbs ganz konkrete Innovationen im Fokus: So wurde zum Beispiel die Zusammenarbeit zwischen der Universität Duisburg-Essen und der Nationalen Universität für Wissenschaft und Technologie (MISIS) in Moskau geehrt, bei der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beider Institutionen gemeinsam an einer neuen Methode im Kampf gegen Krebs forschen. Sie setzen dabei auf magnetische Nanomaterialien, die in betroffene Körperregionen der Krebspatienten injiziert werden. Dieser Magnetit lässt sich gezielt erwärmen und kann so den Tumor zerstören, während das gesunde Gewebe unverletzt bleibt. „Der Wettbewerb gab uns das Gefühl, dass unsere internationale Kooperation unterstützt und geschätzt wird“, sagt der russische Projektkoordinator Professor Maxim Abakumow.

Selbst die weitere Entwicklung der Raumfahrt war Thema: So wurden auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Institut für Biomedizinische Fragestellungen (IBMP) der Russischen Akademie der Wissenschaften für ihre Experimente auf der Internationalen Raumstation ISS ausgezeichnet. Die Partner erarbeiteten während des Deutsch-Russischen Jahres im Projekt „E-Nose“ zum Beispiel innovative Technologien, mit denen sich mikrobielle Kontaminationen an schwer zugänglichen Stellen auf der ISS identifizieren lassen. Eine spätere Praxisanwendung der „elektrischen Nase“ im Gesundheitswesen könnte sein, Krankheiten durch die ausgeatmete Luft zu diagnostizieren. Darin liegt große Hoffnung, gerade auch angesichts Pandemien.

Zudem entwickelte das bilaterale Team im Projekt „Neurolab“ eine Hardware, mit der sich die Gehirnaktivität des Bordpersonals in bisher noch nicht erreichter Auflösung während des komplexen Andockens einer Versorgungsrakete an die ISS analysieren lässt. „Im Rahmen des Deutsch-Russischen Jahres wurden viele Treffen mit den Kollegen des IBMP ermöglicht, sodass wir die Umsetzung der Experimente gezielt vorantreiben konnten“, sagt Dr. Christian Rogon, „Neurolab“-Koordinator am DLR. Nun gelte es, die Früchte des Themenjahres zu ernten. 

Autor
Benjamin Haerdle
Blick auf die Internationale Raumstation ISS: ein weiterer Ort deutsch-russischer Kooperation
Blick auf die Internationale Raumstation ISS: ein weiterer Ort deutsch-russischer Kooperation
Schließen
Zum Anfang

Drei Fragen an Prof. Dr. Nina Danilina, Leiterin des Lehrstuhls für Städtebau an der ­Moskauer Staatlichen Universität für Bauwesen (Nationale Forschungsuniversität)

Prof. Dr. Nina Danilina, Leiterin des Lehrstuhls für Städtebau an der  ­Moskauer Staatlichen Universität für Bauwesen (Nationale Forschungsuniversität)
Prof. Dr. Nina Danilina, Leiterin des Lehrstuhls für Städtebau an der ­Moskauer Staatlichen Universität für Bauwesen (Nationale Forschungsuniversität)
Vollbild
Frau Professor Danilina, 2020 lautete das Schwerpunktthema des DWIH Moskau „Städte und ­Klima“. Welche Bedeutung hat nachhaltige Stadt­entwicklung für die russische Hauptstadt Moskau?
Wie alle Hauptstädte der Welt ist Moskau mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert. So erfordern zum Beispiel extreme Wetterbedingungen ein zunehmendes Interesse daran, in welcher Stadt wir künftig leben wollen und wie Moskau den Herausforderungen des Klimawandels erfolgreich begegnen kann. Die nachhaltige Entwicklung der Stadt und ihre Anpassung an den Klimawandel zählen deshalb zu den entscheidenden Forschungsfeldern.

Im Juni 2020 haben Sie an der Online-Veranstaltung „Die Stadt nach der Pandemie: Wie sieht ­eine zukunftsfähige Stadtplanung aus?“ des DWIH Moskau und der Deutsch-Russischen ­Auslandshandelskammer (AHK Russland) teilgenommen. Was haben Sie aus der Veranstaltung mitgenommen?
Es war eine sehr interessante Gelegenheit zum Ideenaustausch mit internationalen Teilnehmenden und Kolleginnen und Kollegen. Trotz der Einschränkungen für unsere Mobilität hat die Corona-Pandemie im Feld der langfristigen Stadt­entwicklung die Gemeinschaft der Fachleute geeint. Während der Veranstaltung haben wir gemeinsame Ansätze definiert, die für die Städte der Zukunft relevant sind, unabhängig von ihrem Standort: polyzentrische Siedlungssysteme, grüne Mobilität, Entwicklung öffentlicher Räume und andere. Ich möchte betonen, dass sich alle einig waren, dass sich Städte künftig verändern werden. In allernächster Zukunft, wenn sich die Corona-Situation stabilisiert hat, gilt es, die Folgen der Pandemie zu untersuchen, Prognosen zu erstellen und konkrete Maßnahmen zu erforschen und umzusetzen, die den Städten helfen, sich an die veränderten Bedin­g­-ungen anzupassen. Das wird ein neues Thema für die Diskussion auf solchen Veranstaltungen sein.

Was schätzen Sie grundsätzlich an der Arbeit des DWIH Moskau?
Die Arbeit des DWIH in Russland ist wichtig, weil sie Austausch zwischen Deutschland und Russland koordiniert. In meinem Fachgebiet der Stadtplanung gibt das den Anstoß, sich neues theoretisches und praktisches Wissen anzueignen und dieses weiter ­umzusetzen.

Interview
Johannes Göbel

Prof. Dr. Nina Danilina, Leiterin des Lehrstuhls für Städtebau an der  ­Moskauer Staatlichen Universität für Bauwesen (Nationale Forschungsuniversität)
Prof. Dr. Nina Danilina, Leiterin des Lehrstuhls für Städtebau an der ­Moskauer Staatlichen Universität für Bauwesen (Nationale Forschungsuniversität)
Schließen
Zum Anfang

Direktorin
Dr. Katja Lasch (DAAD)

Programmkoordinatorin
Aadishree Jamkhedkar

Beiratsvorsitzender
Dr. Matthias Kiesselbach (Deutsche Forschungsgemeinschaft)

Adresse
Deutsches Wissenschafts- und Innovationshaus Neu-Delhi
21 Jor Bagh
New Delhi – 110003, Indien

Kontakt
info@dwih-newdelhi.org
www.dwih-newdelhi.org

Unterstützer des DWIH Neu-Delhi
www.dwih-newdelhi.org/de/netzwerk/unterstuetzer/
Zum Anfang

Dr. Katja Lasch, Direktorin des DWIH Neu-Delhi
Dr. Katja Lasch, Direktorin des DWIH Neu-Delhi
Vollbild
„Was können wir als DWIH Neu-Delhi ermöglichen? Was bietet Indien für deutsche mittelständische Unternehmen im Forschungsbereich? Was brauchen sie, um Forschungsaufträge nach Indien vergeben zu können? Auf diesem Feld will sich das DWIH Neu-Delhi mit seinen Partnern in Zukunft stärker positionieren. Strategisch langfristig angelegt ist auch die Förderung von wissenschaftsbasiertem Entrepreneur­ship. Damit schließen wir im deutsch-indischen ­Kontext eine Lücke.“

Dr. Katja Lasch

Das DWIH Neu-Delhi erweitert seine Aktivitäten fortlaufend, vor Ort wie in der digitalen Welt – von den sozialen Medien mit ihren verschiedenen Tools und Plattformen bis zu vielfältigen Online-Formaten und abwechslungsreichen Konzepten für klassische Konferenzen und ­Seminare. Es war von vornherein vorgesehen, die Veranstaltungen des DWIH um virtuelle Räume des Austauschs zu erweitern. Der strategische Gedanke ­dahinter war das 2019 formulierte Ziel, die Aktivitäten des DWIH noch mehr in die ­indische Fläche zu bringen. Die vorausschauende Planung zahlte sich 2020 aus: Sehr schnell konnte das DWIH Neu-­Delhi trotz der Pandemie den größten Teil des Veranstaltungsprogramms auf Online-­Formate umstellen. „Nach einem kurzen ­Innehalten war uns allen klar, dass wir die Situation möglichst positiv sehen wollen und nutzen können“, erzählt Dr. Katja Lasch, Direktorin des DWIH Neu-Delhi.

ERWEITERUNG DES PUBLIKUMS
Das erfolgreiche Format „Science Circle Lecture“ des DWIH Neu-Delhi fand ungebrochen sein Publikum – vor Ort im Januar und März, online im Juli, September und November. Ganz grundsätzlich legte das DWIH mit seinen Veranstaltungen Wert auf abwechslungsreiche Themen – der Umgang mit Kunststoffabfällen zählte dazu wie die Rolle öffentlicher Gesundheitssysteme in Zeiten einer Pandemie, das Thema Ernährung und Kindesgesundheit ebenso wie Blue Economy. „Unsere Online-Strategie beinhaltet, dass wir über unsere Social-Media-Kanäle verschiedene Zielgruppen passgenau zu spezifischen Themen ansprechen wollen“, erläutert die Direktorin, und die Publikumsresonanz gerade auf die virtuellen Science Circle Lectures habe diese Strategie bestätigt. „Unser Publikum ist uns nicht nur gefolgt, sondern wir haben es geschafft, auch neues Fachpublikum für die Veranstaltungen zu gewinnen.“

Mit der Veranstaltungsserie „Web-Talk“ etablierte das DWIH Neu-Delhi zudem ein neues Online-Format. Fachleute und Interessierte aus Indien und Deutschland ­diskutierten in mehreren aufeinanderfolgenden Veranstaltungen zu einem vom DWIH gewählten Oberthema. Dazu gehörte im Juli 2020 vor allem das DWIH-Schwerpunkt­thema „Städte und Klima“. Urbane Mobilität, Überschwemmungen und Hochwassermanagement in Städten sowie neue Chancen für umweltwissenschaftliche Forschung während der Corona-Pandemie beschäftigten an drei Tagen ­zahlreiche international etablierte Forscherinnen und Forscher. „Zum Beispiel wurden zum Thema Mobilität in Städten viele spannende Projekte vorgestellt, von inno­vativen stadtplanerischen Lösungen für Parkplatzprobleme und Verkehr bis zu neuen Technologien und Konzepten für umweltfreundliche Mobilität“, berichtet DWIH-Programmkoordinatorin Aadishree Jamkhedkar.

Die Web-Talks eröffneten außerdem die Möglichkeit, das Netzwerk des DWIH Neu-Delhi über den deutsch-indischen Austausch hinaus zu nutzen. „Wir haben über die DWIH in Moskau und New York Referenten für die Web-Talks gewinnen können“, sagt Jamkhedkar. Katja Lasch ­ergänzt: „Die inhaltliche Vernetzung ist gelungen. Wir wollen stärker in Netzwerken denken und die deutsch-indische Perspektive mit dem globalen wissenschaftlichen Diskurs anreichern.“

REALER ERFOLG IM VIRTUELLEN
Mit dem Indo-German Research Day im Dezember 2020 ist dem DWIH Neu-Delhi schließlich eine virtuelle Veranstaltung gelungen, die alle Erwartungen übertraf. Mit rund 300 Teilnehmenden hatte das DWIH-Team gerechnet, aber 1.800 schalteten sich zu. Vier Paneldiskussionen waren geboten, die bis zu 800 Personen verfolgten. „Parallel haben wir eine virtuelle Messe veranstaltet und Forschungsinstitutionen sowie Förderangebote für unterschiedliche Zielgruppen vorgestellt, vom Nachwuchsforscher bis zur erfahrenen Wissenschaftlerin“, erzählt Programmkoordinatorin Jamkhedkar. Eine virtuelle Lounge bot Einblicke in Forschungsprofile der Teilnehmenden und diente der gezielten Vernetzung. „Der Online Research Day war auch eine Gelegenheit, um eine hohe Zahl von Vertreterinnen und Vertretern der gesamten deutschen Forschungslandschaft und alle unsere Unterstützer mit dem indischen Publikum zu vernetzen“, sagt Direktorin Katja Lasch und resümiert: „Die sehr positiven Rückmeldungen haben gezeigt, dass wir unsere Schwerpunktveranstaltungen zukünftig ideal mit digitalen Formaten ergänzen können.“

Einen besonderen Dank richtet Lasch nach einem herausfordernden Jahr an ihr gesamtes DWIH-Team: „Alle haben ohne zu zögern an einem Strang gezogen. Trotz der schwierigen Situation konnten wir vieles erfolgreich umsetzen, was wir geplant hatten. Mit den neuen Erfahrungen sind wir gut für die zukünftige Arbeit nach der Pandemie aufgestellt, in der weiterhin digitale Formate eine große Rolle spielen.“ 

Autorin
Bettina Mittelstraß
Dr. Katja Lasch, Direktorin des DWIH Neu-Delhi
Dr. Katja Lasch, Direktorin des DWIH Neu-Delhi
Schließen
Zum Anfang

NEUE WEGE DER ZUSAMMENARBEIT

Aadishree Jamkhedkar, Programmkoordinatorin des DWIH Neu-Delhi
Aadishree Jamkhedkar, Programmkoordinatorin des DWIH Neu-Delhi
Vollbild
Wie gelingt die strategische und nachhaltige Platzierung von Themen? 2020 beschäftigte diese Frage Aadishree Jamkhedkar, ­Programmkoordinatorin des DWIH Neu-­Delhi, in ihrer Arbeit, die sie trotz Corona-­Pandemie erfolgreich fortsetzte (s. a. S. 94–97). Etwa beim thematischen Schwerpunkt „Blue Economy“, für den ein neues Format gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für Maritime Geschichte entwickelt wurde.

Netzwerkbildung in Neu-Delhi

„In einem Workshop zur Blue Economy haben wir Nachwuchswissenschaftler aus Indien und Deutschland zusammengebracht, die gemeinsame aktuelle Forschungsthemen diskutierten. Das bot auch die Chance für neue Kooperationen und Netzwerke“, erzählt Jamkhedkar. „Zugleich war es uns wichtig, dass der Workshop klare inhaltliche Bezüge zum Schwerpunktthema ‚Städte und Klima‘ hat, das wir 2020 strategisch bespielt haben.“ Das gelang dem DWIH Neu-Delhi zudem in seiner dreiteiligen Web-Talk-Serie „Städte und Klima“, die etwa die Gefahr von Überschwemmungen infolge des Klimawandels oder das Potenzial von Mobilitätslö­sungen aufgriff. Darüber hinaus wurde die ­Zusammenarbeit innerhalb des weltweiten DWIH-Netzwerks weiter gestärkt: Auch durch das DWIH Moskau und das DWIH New York wurde jeweils eine Referentin für die Web-Talk-Serie gewonnen und somit die Vielfalt der fachlichen und internationalen Perspektiven erweitert. „Daran wollen wir weiter anknüpfen“, sagt Aadishree Jamkhedkar. „Für 2021 haben wir die Zusammenarbeit mit den DWIH in São Paulo und Tokyo besonders in den Blick genommen.“
Aadishree Jamkhedkar, Programmkoordinatorin des DWIH Neu-Delhi
Aadishree Jamkhedkar, Programmkoordinatorin des DWIH Neu-Delhi
Schließen
Zum Anfang

Mit Online-Strategie zum Erfolg

Auch virtuell ist das DWIH Neu-Delhi ein ­etablierter Treffpunkt
Auch virtuell ist das DWIH Neu-Delhi ein ­etablierter Treffpunkt
Vollbild
Bereits vor der Corona-Krise hat das DWIH Neu-Delhi seine digitalen Aktivitäten gezielt weiterentwickelt.

Der Ausbau der digitalen Präsenz zählt schon seit Längerem zu den strategischen Schwerpunkten des DWIH Neu-Delhi. Der Anspruch, nicht nur in der Hauptstadt, sondern in ganz Indien Vernetzung und Austausch rund um Innovationen zu ermöglichen, hat den Einsatz digitaler ­Instrumente frühzeitig befördert. Als die Corona-Pandemie auch in Indien die klassischen Konferenzen und Treffen verhinderte, war das DWIH bereit, seine Veranstaltungen schnell online umzustellen. So startete Anfang Mai 2020 die bereits inhaltlich langfristig vorbereitete neue Web-Talk-Reihe zum Thema forschungsbasierte Start-ups.

„Schon vor der Corona-Krise hatten wir neue Online-Inhalte entwickelt“, sagt Garima Behal, die seit Ende 2018 die Öffentlich­keitsarbeit am DWIH Neu-Delhi betreut. „Wir haben auch unsere Social-Media-­Kanäle so bespielt, dass wir jeweils verschiedene Zielgruppen passgenau ansprechen, um für sie einen relevanten Mehrwert zu schaffen.“

GEZIELTES POSTING DER DWIH-THEMEN
Zum ersten Web-Talk-Format waren indische Entrepreneure eingeladen, sich über das deutsche Förder- und Innovationsökosystem zu informieren. Im Sommer ­thematisierten drei weitere Web-Talks das DWIH-Schwerpunktthema „Städte und Klima“. „Zu diesem Themenkomplex haben wir über das ganze Jahr hinweg verschiedene Inhalte gezielt über die sozialen Medien vermittelt“, berichtet Garima Behal.

Plattformen wie Facebook, Twitter und ­LinkedIn dienen am DWIH Neu-Delhi also nicht nur der Verbreitung von Veranstaltungshinweisen. „Zusätzlich haben wir auf diesen Kanälen deutsche und indische Perspektiven zum Thema präsentiert und beispielsweise Stipendien und Fördermöglichkeiten ausgewiesen“, erzählt Behal. „Auch Strategiepapiere der Regierungen und von Thinktanks haben wir gepostet. Wir haben Interviews mit politischen Entscheidungsträgern geführt sowie Projekte der deutsch-in­dischen Zusammenarbeit im Bereich Klima identifiziert und diese dann auf der Website und in den sozialen Medien publiziert.“ Hinzu kam ein digitaler Newsletter, der mit 500 Abonnentinnen und Abonnenten gleich im ersten Anlauf ein voller Erfolg war. Im Newsletter wird jeweils ein aktuelles Forschungsthema aufgegriffen und aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet.

GENAUE ZIELGRUPPENANALYSE
Hinter dem Erfolg stecken gründliche Überlegungen. Eine genaue Zielgruppenanalyse – wer wird wie und warum auf ­welchem Kanal erreicht – bildet die Grundlage für die Kommunikationsstrategie des DWIH Neu-Delhi, ebenso eine langfristige inhaltliche Agenda für die Online-Auftritte. Beides dient der Gesamtstrategie des Hauses und baut die deutsch-indischen Netzwerke auf der Ebene von Wissenschaft und forschender Wirtschaft auch online gezielt aus, erläutert Dr. Katja Lasch, Direktorin des DWIH Neu-Delhi. „Entscheidend ist für uns die systematische Herangehensweise. Wir wollen die Anzahl der Follower nicht quantitativ, sondern qualitativ steigern, das heißt die für uns wesentlichen Personen ansprechen und zur Interaktion motivieren.“ Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten zum Beispiel twitterten in Indien viel, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sowie wissenschaftsinteressierte Unternehmen erreiche man eher über LinkedIn.

Dass die neue Online-Strategie aufgeht, macht das DWIH-Team unter anderem am Anstieg der Besucherzahlen auf der Website fest. „Die Zahlen derer, die sich für unsere Angebote interessieren, haben sich fast verdoppelt“, sagt Garima Behal. „Es gibt außerdem immer mehr Interaktion, Engagement und aktiven Dialog zu unseren regelmäßigen Postings und mehr Anmeldungen und Registrierungen zu unseren Veranstaltungen über die Social-Media-Kanäle.“

Ziel für die kommenden Jahre ist eine systematische Weiterentwicklung der Online-­Strategie. Nicht alles an Veranstaltungsformaten, was 2020 online angeboten werden musste, eigne sich hundertprozentig dafür. „Die Informationsvermittlung in die Fläche des Landes funktioniert zum Beispiel sehr gut online und dient damit einem zentralen Anliegen des DWIH Neu-Delhi“, sagt Katja Lasch. „Aber wenn es zum Beispiel um Co-Creation und Postdoc-Workshops geht, wo mehrere Tage neue Forschungsthemen und Innovationen diskutiert werden, stößt man virtuell an seine Grenzen. Dafür möchten wir gerne wieder unsere etablierten Formate vor Ort nutzen.“ Auch künftig wird das Erfolgsrezept des DWIH Neu-Delhi also in der ausgewogenen, jeweils passgenauen Strategie liegen.

Autorin
Bettina Mittelstraß
Auch virtuell ist das DWIH Neu-Delhi ein ­etablierter Treffpunkt
Auch virtuell ist das DWIH Neu-Delhi ein ­etablierter Treffpunkt
Schließen
Zum Anfang

Drei Fragen an Sharif Qamar, Bereichsleiter bei TERI – The Energy and Resources Institute in Neu-Delhi

Sharif Qamar, Bereichsleiter bei TERI – The Energy and Resources Institute in Neu-Delhi
Sharif Qamar, Bereichsleiter bei TERI – The Energy and Resources Institute in Neu-Delhi
Vollbild
Herr Qamar, Sie sind ein Experte für nachhaltige Mobilität. Welche Bedeutung hat das Thema in Indien?
Die Folgen des Klimawandels zeigen sich in ­Indien sehr deutlich durch zahlreiche Regenfälle und eine sehr starke Häufung von Zyklonen. Der Klimawandel betrifft alle, nicht nur die Armen und Unterprivilegierten. Laut einer Studie der Schweizer Organisation IQAir liegen 22 der 30 Städte mit der stärksten Luftverschmutzung weltweit in Indien. Hier ist der Verkehr der zweitgrößte CO2-Emittent. Nachhaltige Mobilität und ein CO2-freier Verkehrssektor sind sehr wichtig für das Land. Aktuell ist die Anzahl der Autos pro Kopf in Delhi so hoch wie in Großstädten ­Europas oder Nordamerikas. Die extreme Luftverschmutzung durch den Verkehr hat gravierende Auswirkungen auf die Menschen in Delhi. Auch aus Gerechtigkeitsgründen ist die Zunahme von Privatfahrzeugen nicht ideal. Wir sollten uns wirklich auf Lösungen für den öffentlichen Verkehr konzentrieren, um die Anzahl der Fahrzeuge und die Emissionen zu reduzieren.

Wo sehen Sie die größten Chancen für eine klimafreundlichere Entwicklung?
Mit Blick auf Kosten, Emissionen pro Kopf und den Produktlebenszyklus macht ein stärker ­busbasiertes öffentliches Verkehrssystem in ­indischen Städten absolut Sinn. Aber wir sollten nicht vergessen, dass Indien recht vielfältig ist; auch andere Fahrzeuge wie Straßen- und U-­Bahnen könnten die Grundlage für ein nach­haltigeres öffentliches Verkehrssystem bilden. Die Hauptaufgabe besteht darin, an der ent­sprechenden Infrastruktur und den politischen Rahmenbedingungen zu arbeiten. Auch die Energieeffizienz von Fahrzeugen und Kraftstoffen muss verbessert werden. In den letzten ­Jahren wurden sauberere Motoren entwickelt, aber wir müssen dranbleiben. Potenzial liegt zum Beispiel in Wasserstoff und Biokraftstoffen. Der Einsatz von Elektroautos kann kurz- und ­mittelfristig eine erfolgreiche Strategie sein, aber langfristig können öffentliche Verkehrssysteme mit erneuerbaren Energien die CO2-Emissionen effektiver reduzieren.

2020 waren Sie Referent der Web-Talk-Reihe „Städte und Klima“ des DWIH Neu-Delhi. Was ­haben Sie von der Reihe mitgenommen?
Es war eine sehr wertvolle Gelegenheit, ­verschiedene internationale Erfahrungen mit nachhaltiger Entwicklung kennenzulernen. ­Abgesehen von ein paar regionalen Unter­schieden haben alle großen Städte der Welt die gleichen Probleme und Herausforderungen. Und ­alle Städte müssen einen ganzheitlichen und besseren Planungsansatz verfolgen, wenn sie lebenswerter sein wollen.

Interview
Johannes Göbel
Sharif Qamar, Bereichsleiter bei TERI – The Energy and Resources Institute in Neu-Delhi
Sharif Qamar, Bereichsleiter bei TERI – The Energy and Resources Institute in Neu-Delhi
Schließen
Zum Anfang

DWIH New York

Direktor
Benedikt Brisch (DAAD)

Programmkoordinatorin
Dr. Kathrin DiPaola

Beiratsvorsitzender
Professor Dr. Kurt H. Becker
(NYU Tandon School of Engineering)

Adresse
Deutsches Wissenschafts- und Innovationshaus New York
871 United Nations Plaza
New York, NY 10017, USA

Kontakt
info@dwih-newyork.org
www.dwih-newyork.org

Unterstützer des DWIH New York
www.dwih-newyork.org/de/netzwerk/unterstuetzer/
Zum Anfang
Zum Anfang

Benedikt Brisch, Direktor des DWIH New York
Benedikt Brisch, Direktor des DWIH New York
Vollbild
„Wissenschaft und Wirtschaft haben jeweils essenzielle Bedeutung für den Weg aus der Corona-Krise. Wie selten zuvor sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in politische Entscheidungsprozesse eingebunden. Und auch Unternehmen leisten einen entscheidenden Beitrag, die Pandemie in den Griff zu bekommen. Aber Innovation ist kein Selbstläufer. Es geht darum, einen Rahmen zu schaffen, in dem Ideen schnell zu Lösungen für möglichst viele Menschen reifen ­können. Daran arbeiten wir im DWIH New York.“

Benedikt Brisch


Beim Blick auf das Jahr 2020 steht für Benedikt Brisch nicht die Corona-Krise im Vordergrund, sondern vielmehr die Lehren und Chancen, die sich aus der weltweiten Herausforderung gewinnen lassen. „COVID-19 ist ja ein Beweis dafür, dass man hochkomplexe globale Probleme nur mit internationaler Kooperation in den Griff bekommen kann“, betont der Direktor des DWIH New York. „Das gelingt dann besonders gut, wenn man Gelegenheiten schafft, sich kreativ auszutauschen und erste Impulse für mögliche innovative Lösungen zu entwickeln. Im transatlantischen Kontext ist genau das eines unserer wichtigsten Ziele.“

Diesem Anspruch widmete sich auch die dreiteilige Veranstaltungsreihe „COVID-19 and the Future of Our Cities“, die das DWIH New York gemeinsam mit der Universitätsallianz Ruhr und dem globalen Netzwerk der Local Governments for Sustainability (ICLEI) realisierte. Zum Auftakt im Mai 2020 gab Professor Don Carter, Senior Research Fellow am Remaking Cities Institute der Carnegie Mellon University, die konzeptionelle Richtung vor: „Der Lockdown hat die Weise, wie wir die Stadt nutzen, tiefgreifend verändert. Er wird auch langfristige Auswirkungen darauf haben, wie wir unsere Städte in Zukunft sehen werden.“

Diese Veränderungsdynamik zeigten Schwerpunkte zu sozialer Ungleichheit in postindustriellen Städten, zu Grüner Architektur und zur Zukunft der Arbeit in den Metropolen. Eine Vielzahl von Expertinnen und Experten deutscher und US-amerikanischer Universitäten und Institutionen lieferte wertvolle Impulse, immer mit dem Anspruch, möglichst viele unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen zusammenzubringen. Ein kritischer Punkt war etwa die Benachteiligung nichtweißer Communities in der Gesundheitsversorgung, wie sie sich laut Professor Françoise Knox-­Kazimierczuk vom College of Allied Health der University of Cincinnati zum Beispiel in postindustriellen Städten wie Cincinnati und Pittsburgh nach wie vor zeigt. Auch bei Fragen der Architektur und Stadtplanung wurde die Bedeutung des gerechten Zugangs aller zu urbanen Grünräumen betont.

VIELFÄLTIGER WANDEL
Die Corona-Pandemie hat nicht nur den Wert nachhaltiger Stadtentwicklung verdeutlicht, sie verändert zugleich das Arbeitsleben in den Metropolen. „Ein Beispiel ist das Thema Homeoffice“, sagt Benedikt Brisch. „Hier in den USA wurde das noch viel konsequenter umgesetzt als in Deutschland, was natürlich einen starken Impuls bedeutete, ganz grundsätzlich über die ­Zukunft der Arbeit nachzudenken.“

Die Zukunft urbanen Lebens war auch ein zentrales Thema beim FUTURE FORUM 2020 des DWIH New York, das vom 14. bis zum 17. Oktober virtuell stattfand. Der Titel „Building Biopolis“ schloss an das DWIH-Schwerpunktthema „Städte und Klima“ an und bündelte mit verschiedensten Talk-, Networking- und Workshopformaten die Vision einer nachhaltigen Stadt der Zukunft. Dabei wurde auch die widersprüchliche Rolle urbaner Räume als Verursacher und gleichzeitig Problemlöser der globalen Klimakrise reflektiert. „Städte sind Orte der Innovation, der Arbeitsteilung, der Bildung und Wissenschaft, der Ideen. Gleichzeitig verbrauchen sie gigantische Mengen an Energie und verdichten den Raum viel zu stark“, bringt Benedikt Brisch das Dilemma auf den Punkt.

Für die in Berlin lebende Nachhaltigkeitsexpertin Solène Wolff liegt ein Teil der Lösung darin, den Gegensatz von „urban“ und ­„natürlich“ zu überwinden. Die Stadt der Zukunft, so Wolff in ihrem Talk „Rewilding the Future“, müsse vor allem ihren immer noch unverhältnismäßig hohen Ressourcenverbrauch reduzieren. Obwohl Städte lediglich drei Prozent der Gesamtfläche des Planeten ausmachten, verbrauchten sie 75 Prozent der natürlichen Ressourcen. Und dieses Missverhältnis steige immer weiter mit der enormen Geschwindigkeit der Verstädterung, die alle sieben Wochen um die Fläche von London zunimmt. Das ist auch deshalb ein Problem, weil der Bau- und Infrastruktursektor für rund die Hälfte der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich ist, wie Ginger Krieg Dosier in ihrem Talk betonte. Mit ihrer Firma bioMASON arbeitet sie an einer nachhaltigeren Alternative zum klassischen, CO2-intensiven Beton. „Portlandzement, der Hauptbestandteil von Beton, ist nach Wasser die am zweithäufigsten verbrauchte Substanz der Erde. Vier Milliarden Tonnen werden jedes Jahr produziert und sind für acht Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich.“

IMPULSE FÜR INNOVATION
Im Jahr 2020 sind in der Arbeit des DWIH New York wieder zahlreiche Ideen zusammengekommen, die das Team um Benedikt Brisch im wachsenden DWIH-Netzwerk weiterverfolgen will. „Unsere Aufgabe ist es nicht, diese Impulse direkt in ein Produkt oder eine Forschungsveröffentlichung münden zu lassen“, so Brisch. „Wir speisen sie vielmehr in den Diskurs von Forschungsinstitutionen und Unternehmen ein, also jenen Akteuren, die sie dann tatsächlich in konkrete Innovationen umwandeln.“ Darüber hinaus sei es zentral, das Bewusstsein zu schärfen, wie stark Wissenschaft und Wirtschaft von der Innovationskraft des jeweils anderen profitieren können. „Da gibt es immer noch Berührungsängste auf beiden Seiten, weil es sich um unterschiedliche Innovationsansätze handelt. Wir sehen es auch als unsere Aufgabe, diese beiden Kulturen einander näherzubringen.“

Autor
Klaus Lüber
Benedikt Brisch, Direktor des DWIH New York
Benedikt Brisch, Direktor des DWIH New York
Schließen
Zum Anfang

VIELFÄLTIGE AUSTAUSCHMÖGLICHKEITEN

Programmkoordinator Fenner (l.) und das Team hinter dem FUTURE FORUM 2020
Programmkoordinator Fenner (l.) und das Team hinter dem FUTURE FORUM 2020
Vollbild
„Wir haben die Chancen der digitalen Vernetzung genutzt“: Dietrich Wolf Fenner, Programmkoordinator des DWIH New York von 2019 bis 2020, hat im Zuge der Corona-­Pandemie mehr digitale Formate entwickelt als zunächst vorgesehen – und so auch das zentrale FUTURE FORUM „Building Bio­polis“ erfolgreich gestaltet. Ursprünglich in Chicago geplant, wurde das FUTURE ­FORUM zur zukunftsfähigen Stadtentwicklung im Oktober 2020 zum Online-Event: mit 22 renommierten Speakern, vielfältigen Austauschmöglichkeiten und einer grenzüberschreitenden Audience.

Renaturierung in New York

„Unsere verstärkte Online-Präsenz hat uns 2020 ein Stück weit unabhängiger gemacht“, sagt Fenner. „Losgelöst von einem bestimmten Veranstaltungsort war auch das FUTURE FORUM für ein größeres Publikum offen. Nicht zuletzt im weltweiten Netzwerk der DWIH haben wir die Menschen erreicht.“ Das „Building Biopolis“-Publikum profitierte dabei von einem abwechslungsreichen Mix der Formate: TEDx Talks, virtuelles Networking, Workshops oder auch ein „Fireside Chat“ zur beschleunigten Planung der „Grünen Stadt“ zählten etwa dazu. In „Innovation Spotlights“ stellten beispielsweise die Berliner Forscherin Solène Wolff ihre Vision der renaturierten Stadt und Erika Allen das von Frauen geführte „Urban Growers Collective“ in Chicago zur sozialen wie nachhaltigen Verteilung von Lebensmitteln vor. Dass die Mehrzahl der Speaker des FUTURE ­FORUM weiblich war, war kein Zufall, wie Dietrich Wolf Fenner deutlich macht: „Diversität ist dem DWIH New York ein besonderes Anliegen.“

Programmkoordinator Fenner (l.) und das Team hinter dem FUTURE FORUM 2020
Programmkoordinator Fenner (l.) und das Team hinter dem FUTURE FORUM 2020
Schließen
Zum Anfang

Vielfalt im Fokus

Mridul Agrawal und Nakeema Stefflbauer (untere Reihe, 3. u. 5. v. l.) zählen zu den Unterstützern der Initiative #InclusiveResearchGermany
Mridul Agrawal und Nakeema Stefflbauer (untere Reihe, 3. u. 5. v. l.) zählen zu den Unterstützern der Initiative #InclusiveResearchGermany
Vollbild
Mit der Kampagne #InclusiveResearchGermany hat das DWIH New York die Diskussion um Diversität und Diskriminierung aufgegriffen.

Nachdem der Afroamerikaner George Floyd im Mai 2020 bei einer Festnahme in Minneapolis gewaltsam zu Tode gekommen war, protestierten in den USA landesweit Menschen unter dem Motto „Black Lives Matter“ gegen Rassismus. In der Wissenschaft und an den Hochschulen in den USA sowie weltweit löste dies eine breite Debatte über Rassismus in der Gesellschaft aus, bis zu der Frage, wie Benachteiligung und strukturelle Diskriminierung überwunden werden können.

Jarred Johnson, Kommunikationsbeauftragter des DWIH New York, stellte sich die Frage „Was bedeutet das für unsere Arbeit?“ und kam zu dem Ergebnis, dass auch bei den Aktivitäten des DWIH Black and Hispanic Americans und andere ethnische Minderheiten oder Menschen aus der LBGTQ-Community bislang wenig vertreten waren – etwa als Vortragende bei Veranstaltungen oder als Interviewpartner im Newsletter. „Wir haben uns deshalb entschlossen, die Vielfalt der deutschen Wissenschafts- und Innovationscommunity stärker ins Rampenlicht zu rücken“, sagt Johnson. Der Kommunikationsexperte machte für eine Twitter-Kampagne 30 inspirierende Personen ausfindig, die für Vielfalt stehen: unter anderem People of Color, Menschen mit internationaler Geschichte oder aus der LGBTQ-Community. Die Gründerin eines Start-ups zählte zu der Gruppe etwa ebenso dazu wie Politik­berater oder Professorinnen. Unter dem Hashtag #InclusiveResearchGermany stellte das DWIH auf Twitter ihre Arbeit vor.

RESONANZ DER KAMPAGNE
Das deutsch-amerikanische Publikum des DWIH New York hat die Initiative sehr ­positiv aufgenommen. Der Tweet, der die Kampagne einleitete, war der erfolgreichste Tweet in der Geschichte des Kanals für das DWIH New York und erhielt fast 400 Klicks, Likes und Retweets. Die Resonanz der Kampagne zeigt den Wunsch des DWIH New York-Netzwerks nach der Spiegelung von Vielfalt und nach Inhalten, die zeitgemäß, engagiert und personenorientiert sind. „Außerdem haben sich einige per E-Mail für die Initiative bedankt und uns Empfehlungen für andere Personen geschickt, die wir vorstellen könnten“, erzählt Johnson.

Die Initiative ging über die Twitter-Kam­pagne hinaus. Das DWIH New York erstellte für seine Unterstützer, etwa deutsche Hochschulen mit einem Büro in den USA, einen digitalen Ordner. Dort sind unter anderem Informationen zu Vielfalt und Inklusion in der Wissenschaft sowie Kontakte zu Diversity- und Inklusionsberaterinnen und -beratern gesammelt. Das DWIH organisierte mit der DAAD-Außenstelle New York zudem eine Schulung zu Vielfalt und Inklusion. Eine Beraterin zeigte auf, welche Bedeutung Rassismus in den USA und Deutschland hat. In kleinen Gruppen erarbeiteten die Teilnehmenden, wie sie künftig mit dem Thema Vielfalt in ihren Organisationen besser umgehen können.

Die Schulung wie auch die Initiative insgesamt haben das DWIH New York verändert. Das DWIH will bei der Auswahl der Referentinnen und Referenten für Veranstaltungen noch stärker auf Vielfalt achten. Auch in der Kommunikation soll das Thema eine größere Rolle spielen. Jarred Johnson betont: „Unsere Arbeit sollte darauf abzielen, einem vielfältigen Publikum die Stärken deutscher und amerikanischer Zusammenarbeit und Innovationskultur näherzubringen. Um erfolgreich zu sein, müssen wir die Vielfalt der wissenschaftlichen Gemeinschaft repräsentieren und feiern.“ 

Autor
Hendrik Bensch

„Als Deutscher mit indischen Wurzeln habe ich einen natürlichen Bezug zum Thema Vielfalt und Inklusion. Ich habe immer wieder in unterschiedlichen Situationen, ob als Arzt, Wissenschaftler oder Gründer, erlebt, dass Fortschritt und Innovation erst durch Vielfalt und Inklusion möglich werden. Die Vielfalt an Menschen, Meinungen und Lebenswegen ist bereichernd und essenziell dafür, bestmögliche Antworten auf Herausforderungen unserer Zeit zu finden. Daher unterstütze ich die wichtige Initiative #InclusiveResearchGermany.“

Dr. Mridul Agrawal, Gründer von iuvando Health und Postdoctoral Fellow der Harvard Medical School


„Weil ich durch mein FrauenLoop-Programm in regelmäßigem Kontakt mit Immigrantinnen bin, dachte ich, dass es besonders wichtig ist, als Mutter, Immigrantin und erfahrene IT-Managerin sichtbar zu sein. Für Frauen, die im IT-Bereich arbeiten wollen, kann man meiner Meinung nach nie genug Vielfalt zeigen – ungeachtet des Hintergrundes, des Familienstandes oder des Alters. Alle bringen bestimmte Fähigkeiten mit und sollten sich berechtigt fühlen, einen positiven Beitrag leisten zu können.“

Dr. Nakeema Stefflbauer, Gründerin der NGO FrauenLoop
Mridul Agrawal und Nakeema Stefflbauer (untere Reihe, 3. u. 5. v. l.) zählen zu den Unterstützern der Initiative #InclusiveResearchGermany
Mridul Agrawal und Nakeema Stefflbauer (untere Reihe, 3. u. 5. v. l.) zählen zu den Unterstützern der Initiative #InclusiveResearchGermany
Schließen
Zum Anfang

Drei Fragen an Priya S. Nayar, Direktorin des Nordamerika-Büros der Hochschule Fresenius

Priya S. Nayar, Direktorin des Nordamerika-Büros der Hochschule Fresenius
Priya S. Nayar, Direktorin des Nordamerika-Büros der Hochschule Fresenius
Vollbild
Frau Nayar, was verbindet SIe mit dem DWIH New York?
Als Direktorin der Hochschule Fresenius in New York zähle ich zu den Hauptunterstützern des DWIH. In den letzten sechs Jahren war ich auch Mitglied des Programmausschusses und habe mit dem DWIH bei mehreren Veranstaltungen zusammengearbeitet. Meine Beziehung zum DWIH reicht jedoch bis zu seiner Eröffnung in New York im Jahr 2010 zurück. Nach wie vor bin ich nicht nur vom ­Umfang und der Vielfalt seiner Arbeit beeindruckt, sondern auch von der Ausrichtung der Organisation an ihrer Vision und ihren Zielen. Das DWIH hat ein „Who is Who“ an Unterstützern, die zwei Kontinente verbinden, sowie ­Zugang zu verschiedenen Ebenen, auf denen deutsch-amerikanische Forschung, Innovation und Kooperation gefördert werden.

Im Dezember 2020 kooperierten die Hochschule Fresenius und das DWIH New York beim Web-Talk „Rethinking Cities: Smarter, Sustainable, more Livable Communities“. Warum ist dieses Thema der Hochschule Fresenius besonders wichtig?
Die Hochschule Fresenius konzentriert sich auf angewandte Forschung an der Schnittstelle ­zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Bei unserem Web-Talk zum Thema „Rethinking Cities“ war es uns wichtig, das menschliche Element der Nachhaltigkeit und des Lebens in der „Smart City“ hervorzuheben und gleichzeitig den Geist der ­Zusammenarbeit über den des Wettbewerbs zu stellen. Dafür haben wir mit dem Hochschul­verbund UAS7 als Partner ein interdisziplinäres Expertenpanel zu den Themen Governance, ­Compliance, Energie, Architektur und Transport zusammengestellt. Das Panel lenkte den Blick auf konkrete Fallstudien und verband Praxis mit ­Theorie. Es ist diese besondere Eigenschaft, die Teil des Ethos der Hochschule Fresenius ist, die nächste Generation von Führungskräften, Denkern und Managern zu fördern: in der Theorie ­geerdet und gleichzeitig bereit, Lösungen mit ­gesellschaftlicher Wirkung in Angriff zu nehmen.

Zuletzt hat das DWIH New York den Wert von ­Diversität in der Forschung besonders betont. Was denken Sie über dieses Thema?
Ich würde mich als Amerikanerin mit indischen Wurzeln und gemischter Ethnizität bezeichnen und habe das Privileg, in mehreren Ländern und Kulturen gelebt zu haben. Diversität ist in der Forschung unerlässlich. Erst unterschiedliche Hintergründe, Perspektiven, Erkenntnisse und Erfahrungen treiben Innovation und Kreativität an. Daraus muss der Einsatz für mehr Vielfalt in unseren Programmen folgen. Repräsentanz hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, nach Gender-Fragen schnell auch mit Blick auf Minderheiten. Ich begrüße sehr die Initiative des DWIH, Repräsentanz zu stärken.

Interview
Johannes Göbel
Priya S. Nayar, Direktorin des Nordamerika-Büros der Hochschule Fresenius
Priya S. Nayar, Direktorin des Nordamerika-Büros der Hochschule Fresenius
Schließen
Zum Anfang

Direktor
Dr. Jochen Hellmann (DAAD)

Programmkoordinator
Marcio Weichert

Beiratsvorsitzender
Sören Metz (Technische Universität München)

Adresse
Deutsches Wissenschafts- und Innovationshaus São Paulo
Rua Verbo Divino, 1488 – Térreo
04719-904 São Paulo – SP, Brasilien

Kontakt
info@dwih-saopaulo.org
www.dwih-saopaulo.org

Unterstützer des DWIH São Paulo
www.dwih-saopaulo.org/de/netzwerk/unterstuetzer/

Zum Anfang
0:00
/
0:00
Video jetzt starten
Zum Anfang

Dr. Jochen Hellmann, Direktor des DWIH São Paulo
Dr. Jochen Hellmann, Direktor des DWIH São Paulo
Vollbild
„Der Weg vom Studium bis hin zur innovativen Produktentwicklung erstreckt sich über vier ­Stufen, die das DWIH São Paulo immer im Blick hat: die akade­mische Ausbildung, Grundlagen­forschung, Anwendungsbezug und ­Kooperation mit Unternehmen sowie schließlich die Entwicklung bis zur Marktreife. Weil in Brasilien Universitäten und Industrie oft voneinander abgeschottet agieren, ist es die langfristige strategische Aufgabe des DWIH São Paulo, diese Viererkette nachhaltig zu stärken.“

Dr. Jochen Hellmann

Das DWIH São Paulo hat 2020 seine Rolle in der Wissenschafts- und Innovationsszene Brasiliens gefestigt und seine Anziehungskraft sogar erhöht. Das zeigt unter anderem ein steiles Wachstum der digitalen Followerzahlen auf LinkedIn von 76 Prozent, seit das DWIH das Posting seiner Veranstaltungshinweise dort von Portugiesisch auf Englisch umgestellt hat. „Damit konnten wir das bilaterale und ­internationale Interesse an unseren Aktivitäten, aber auch an denen unserer Unterstützer stark erhöhen, was sich allmählich auch in den Teilnehmerzahlen unserer ­digitalen Veranstaltungen widerspiegelt“, berichtet Programmkoordinator Marcio Weichert. Bei aufgrund der Corona-Pandemie online ausgerichteten Formaten wie dem Falling Walls Lab oder einem Online-­Talk zum Schwerpunktthema „Städte und Klima“ erzielten die Live-Streamings hohe Resonanz.

ANALOG UND VIRTUELL PRÄSENT
Allein das Finale des Innovationswettbewerbs Falling Walls Lab (FWL) Brazil hatte im September 1.090 digital zugeschaltete Zuschauerinnen und Zuschauer. Die ­Anzahl der Aufrufe der anschließend zur Verfügung gestellten Videos übertraf ebenfalls die Erwartungen. Rund 300 Personen schauten sich zum Beispiel die innovativen Ideen der 14 Kandidatinnen und Kandidaten des Wettbewerbs nachträglich an und konnten so die Lösungsvorschläge zu Themen wie Lebensmittelverschwendung, Luftverschmutzung, Recycling oder Wasserversorgung nachvollziehen. „Wir sind eine Plattform für bilaterale Beziehungen geworden, die seitens der Regierung, der Forschenden und der Wissenschaftsinstitutionen auch als solche erkannt und ­analog sowie virtuell genutzt wird“, sagt Dr. Jochen Hellmann, Direktor des DWIH São Paulo. Das habe sich während der Corona-­Pandemie eher noch verstärkt. 

Auch wenn einige Formate aufgrund der Pandemie-Beschränkungen in den Veranstaltungskalender 2021 vorgerückt sind, hat die Präsenz des DWIH São Paulo 2020 nicht abgenommen. Vielmehr kamen neue Initiativen zustande. So unterstützte das DWIH etwa einen attraktiven Online-Workshop internationaler Studierender zur Stadtentwicklung, der von der Universität Unisinos in Südbrasilien und UAS7 organisiert wurde, dem Zusammenschluss sieben forschungsorientierter deutscher Fachhochschulen mit starker internationaler Ausrichtung. Eindrucksvoll war auch eine Zusammenarbeit des DWIH São Paulo mit der Gesellschaft für Akademische Studienvorbereitung und Test­entwicklung (g.a.s.t.) und der Bundesuniversität Paraná (UFPR). Für das gemeinsame E-Symposium im Juni 2020 zum Thema „Digitalisierung im Fremdsprachenlernen als Förderinstrument der Internationalisierung im Hochschulbereich“ meldeten sich ad hoc 700 Personen an. „Bei einer Präsenzveranstaltung hätten wir vermutlich gerade einmal zehn Prozent davon begrüßen können“, sagt Marcio Weichert.

Besonders erfolgreich war zudem die neu auf­gelegte Veranstaltungsreihe „Online Talks“ zu zentralen Fragen von Impfstoffentwicklung, Gesundheitsversorgung oder dem Wandel von Gesellschaft und Hochschulbildung unter dem Eindruck der Corona-Pandemie. In der zusammen mit der São Paulo Re­search Foundation (FAPESP) ausgerichteten November-Debatte zum DWIH-Schwerpunkt­thema „Städte und Klima“ beleuchteten deutsche und brasilianische Expertinnen und Experten gemeinsam mit über 100 ­Teilnehmenden soziale, ökologische und wirtschaftliche Auswirkungen des Klimawandels auf Großstädte.

Um Wissenschaftsskepsis, Informationsüberflutung und „Fake-News“ drehte sich eine gemeinsam vom DWIH São Paulo und der Brasilianischen Gesellschaft für den Fortschritt der Wissenschaft (SBPC) orga­nisierte Podiumsrunde während der SBPC-­Jahrestagung im Dezember 2020. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Brasilien und Deutschland diskutierten Kommunikationsbarrieren, innerhalb der akademischen Community wie auch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. ­„Gerade im Kontext der Pandemie sind ­Vertrauen in Wissenschaft und Wissen­schafts­kommunikation zentrale Themen“, hebt Marcio Weichert hervor.

AUSTAUSCH MIT DER WIRTSCHAFT
Mit Blick auf den Austausch mit Wirtschaft und Industrie hat das DWIH São Paulo 2020 die Beziehungen zur Deutsch-Brasilianischen Industrie- und Handelskammer (AHK São Paulo) weiter vertieft. Der 2020 von der AHK erneut zusammen mit dem DWIH ­ausge­richtete Deutsch-Brasilianische Innovationskongress bot inspirierende Online-­Vorträge, etwa zu den Impulsen der Corona-­Pandemie für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft und einen umweltbewussten Markt. Das DWIH São Paulo beteiligte sich zudem mit der Kategorie „Nachhaltiges Brasilien“ am AHK-­Wettbewerb „Startups Connected“. Das deutsche Gewinner-Start-up erhält ein breites Unterstützungs- und Betreuungsangebot durch das DWIH und die AHK São Paulo, um auf dem brasilianischen Markt Fuß zu fassen. „Wir öffnen also auch Türen, indem wir auf Qualifikation und Fortbildung setzen“, betont DWIH-Direktor Jochen ­Hellmann. Trotz vieler innovativer neuer ­Online-Angebote, die das DWIH gerne als Hybrid-Formate weiterführen will, betont er aber auch die Bedeutung des „Vertrauens im Dreidimensionalen“: „Für den Abbau von Berührungsängsten und mehr Durchlässigkeit zwischen dem Kosmos der Universitäten und der Welt der Wirtschaft müssen sich die Menschen sozusagen beschnuppern können – das funktioniert virtuell nicht.“

Autorin
Bettina Mittelstraß
Dr. Jochen Hellmann, Direktor des DWIH São Paulo
Dr. Jochen Hellmann, Direktor des DWIH São Paulo
Schließen
Zum Anfang

WERT DER WISSENSCHAFT

Marcio Weichert, Programmkoordinator des DWIH São Paulo
Marcio Weichert, Programmkoordinator des DWIH São Paulo
Vollbild
Im September 2020 wurde das DWIH São Paulo zum TV-Studio. Online-Talks zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie in Gesellschaft und Wissenschaft hatte das DWIH bereits gestreamt, aber mit dem Falling Walls Lab Brazil wurde im September ein umfangreicher Wettbewerb übertragen. „Wir haben mit einem professionellen Filmteam zusammengearbeitet“, berichtet Marcio Weichert, Programmkoordinator des DWIH São Paulo. Weicherts Moderation, die Präsentationen der 14 zugeschalteten Kandidatinnen und Kandidaten und natürlich die Siegerehrung wurden in Szene gesetzt – und allein in der Live-Übertragung von über 1.000 Zuschauerinnen und Zuschauern verfolgt.

Starker Dialog in São Paulo

Der Hauptpreis des Falling Walls Lab Brazil ging an Jonas Cunha da Silva, Student der ­Bioverfahrenstechnik an der Bundesuniversität von Pará (UFPA), für seine Idee eines flüssigen Biokunststoffs aus Fruchtschalen, der als Schutzfilm die Haltbarkeit von Lebensmitteln verlängert. Insgesamt wurden fünf Preise ­vergeben, auch ein Publikumspreis per Zuschauer-Voting. Die publikumsnahe Kommunikation von Wissenschaft treibt das DWIH São Paulo vielfältig voran. Die Partnerschaft mit der Brasilianischen Gesellschaft für den Fortschritt der Wissenschaft (SBPC) wurde 2020 institutionalisiert eine gemeinsam ausgerichtete Online-Veranstaltung zur Wissenschaftskommunikation sorgte für rege Diskussionen im Netz. Marcio Weichert betont: „Den Wert der Wissenschaft werden wir weiterhin mit vielen Formaten verdeutlichen.“
Marcio Weichert, Programmkoordinator des DWIH São Paulo
Marcio Weichert, Programmkoordinator des DWIH São Paulo
Schließen
Zum Anfang

Wettbewerb der Ideen

 Kreativer Kopf: Christopher Dörner, Firmengründer   und Sieger bei „Startups Connected“
Kreativer Kopf: Christopher Dörner, Firmengründer und Sieger bei „Startups Connected“
Vollbild
Das DWIH São Paulo stärkt die Start-up-Kultur im deutsch-brasilianischen Austausch.

Je mehr der Klimawandel für trockene Hitzeperioden sorgt, desto wichtiger wird der nachhaltige Umgang mit Wasser. Gebraucht wird dann jede Idee, um Ressourcen zu schonen – insbesondere in ­Brasilien, wo nach einer Erhebung von 2015 im Schnitt 37 Prozent des verteilten Trinkwassers nicht bei den Endverbrauchern ­ankommen, etwa weil Rohrleitungen undicht sind.
„Wir haben eine innovative ­Lösung für effektivere Wasserversorgung“, sagt Christopher Dörner. Der junge Ingenieur ist einer von drei Köpfen von Pipe­Predict, einer Start-up-Ausgründung der Technischen Universität Darmstadt. Mit ­ihrer Technologie, die auf eine Früherkennung von Schäden in Rohrsystemen zielt, möchten sie gerne auf den brasilianischen Markt – und dank des Wettbewerbs „Start­ups Connected“ können sie das gründlich vorbereiten. 2020 haben sie in der vom DWIH São Paulo kuratierten Kategorie „Nachhaltiges Brasilien“ gewonnen.

CHANCEN FÜR START-UPS
Den auf Start-ups und Spin-offs fokussierenden Wettbewerb richtet die Deutsch-­Brasilianische Industrie- und Handelskammer São Paulo (AHK São Paulo) seit 2016 aus; seit 2017 betreut das DWIH São Paulo eine eigene Kategorie. Übergeben wird der Preis auf dem Deutsch-Brasilianischen ­Innovationskongress von AHK und DWIH. Während die AHK mit mehreren Auszeichnungen brasilianische Start-ups mit deutschen Unternehmen in Brasilien wie BASF, Bayer oder Siemens vernetzt, bietet die ­Kategorie des DWIH einem deutschen Start-up Unterstützung beim Einstieg in den brasilianischen Markt. Marcio Weichert, Programmkoordinator des DWIH São Paulo, hebt hervor: „Wir möchten für die Internationalisierung deutscher Start-ups eine ­Perspektive in Brasilien bieten.“ Durch den Austausch mit der brasilianischen Innovationslandschaft könne das ausgezeichnete Start-up „auch kreativen Input bekommen, der wiederum für den deutschen Markt oder andere internationale Märkte sinnvoll ist“.

PARTNERSCHAFT FÜR INNOVATIONEN
Die erfolgreiche Teilnahme an „Startups Connected“ bedeutet ein breites Unterstützungs- und Betreuungsangebot durch das DWIH und die AHK São Paulo: mit einer ­individuellen Marktanalyse sowie bei der Öffentlichkeitsarbeit in Brasilien, Kontaktanbahnung mit Unternehmen und potenziellen Kunden, Investoren und Forschungspartnern. Hinzu kommen auch ein Co-Working-Platz in São Paulo und vor allem das in ­Brasilien schon wiederholt ausgezeichnete Accelerator-Programm der AHK. „Damit beschleunigen wir die Interaktion zwischen Start-ups und großen deutsch-brasilianischen Unternehmen zu ausgewählten ­Innovationsprojekten“, sagt Bruno Vath Zarpellon, Leiter der Abteilung für Innovation und Technologie an der AHK São Paulo. „Das DWIH ist mit seiner Expertise zur deutschen Forschungs- und Innovationslandschaft ein wichtiger Partner.“ Im Rahmen der DWIH-Kategorie wurden bereits Start-ups aus so unterschiedlichen Themenfeldern wie der Landwirtschaft 4.0 oder der digitalen Bildung unterstützt.

PERSÖNLICHE UNTERSTÜTZUNG
PipePredict überzeugte in der DWIH-­Kategorie „Nachhaltiges Brasilien“ mit seinem Ansatz, Wasserrohrnetze unter anderem mithilfe von akustischen Sensortypen zu analysieren. Die Sensoren liefern frühzeitig Hinweise auf kleinste Leckagen in den Leitungen. Eine vom Start-up selbst entwickelte Künstliche Intelligenz überwacht das Ganze, analysiert die Daten in Echtzeit und berechnet Rohrbruchprog­nosen – und bietet so die Grundlage für ein nachhaltiges Management des Rohrsystems. „Brasilien liegt uns aus persönlicher Erfahrung am Herzen, und nun erhoffen wir uns durch die Auszeichnung bei ‚Start­ups Connected‘ Hilfe bei der Marktab­schätzung sowie der Kontaktaufnahme zu potenziellen Kunden oder Partnern für ­Pilot- und Forschungsprojekte“, berichtet Christopher Dörner. „Ein Verständnis der Marktstrukturen kann man sich nicht allein online erarbeiten, dazu braucht es persön­lichen Kontakt. Das DWIH São Paulo betreut uns hier bereits ideal und wir freuen uns auf die mit der Auszeichnung gewonnene Geschäftsreise nach Brasilien.“

Autorin
Bettina Mittelstraß
 Kreativer Kopf: Christopher Dörner, Firmengründer   und Sieger bei „Startups Connected“
Kreativer Kopf: Christopher Dörner, Firmengründer und Sieger bei „Startups Connected“
Schließen
Zum Anfang

Drei Fragen an Prof. Dr. Ildeu de Castro Moreira, Präsident der Brasilianischen Gesellschaft für den Fortschritt der Wissenschaft (SBPC)

Prof. Dr. Ildeu de Castro Moreira, Präsident der Brasilianischen Gesellschaft für den Fortschritt der Wissenschaft (SBPC)
Prof. Dr. Ildeu de Castro Moreira, Präsident der Brasilianischen Gesellschaft für den Fortschritt der Wissenschaft (SBPC)
Vollbild
Professor de Castro, 2020 wurde die Partnerschaft zwischen der Brasilianischen Gesellschaft für den Fortschritt der Wissenschaft (SBPC) und dem DWIH São Paulo institutionalisiert. Warum war Ihnen das wichtig?
Die Partnerschaft zwischen dem DWIH São Paulo und der SBPC ist uns sehr wichtig. Wir arbeiten nun schon einige Jahre zusammen, besonders im Rahmen der Jahrestagung der SBPC und bei wichtigen Debatten über Wissenschaft, Technologie und Innovationen. Die Institutionalisierung unserer Partnerschaft festigt diese Initiativen und ebnet den Weg für einen weiterführenden Austausch. Darüber hinaus ist diese Partnerschaft für die SBPC von besonderer Bedeutung, weil sie zeigt, dass eine so wichtige Organisation wie das DWIH die Arbeit und die Rolle unserer wissenschaftlichen Gesellschaft innerhalb der brasilianischen Wissenschaft schätzt.

Grundsätzlich gefragt: Welche Bedeutung hat aus Ihrer Sicht der Partner Deutschland für die brasilianische Wissenschaft?
In den vergangenen Jahrzehnten hat es viele ­Kooperationen zwischen Institutionen und ­Organisationen in Brasilien und Deutschland ­gegeben, die wichtige Beiträge für unser Land geleistet haben. Besonders bedeutsam waren sie zum Beispiel in der Physik, die mein Fachgebiet ist. Unsere Beziehungen sind auch im Feld der Innovationen fruchtbar, ein Bereich, in dem Deutschland sowohl in der Industrie als auch in der Wissenschaft enorme Erfahrungen hat. Ich würde zudem ein bedeutendes gemeinsames Forschungsprojekt hervorheben, das in Partnerschaft zwischen der Max-Planck-Gesellschaft und dem Nationalen Institut für Amazonasforschung (INPA) durchgeführt wird: Das Amazon Tall Tower Observatory (ATTO) ist ein wichtiges Instrument zur Analyse des Waldes und des ­Klimawandels.

2020 lautete das weltweite Schwerpunktthema der Deutschen Wissenschafts- und Innovationshäuser (DWIH) „Städte und Klima“. Welche Rolle spielt nachhaltige Stadtentwicklung in Brasilien?
Sie hat für Brasilien, wie für die allermeisten Länder, große Relevanz. In Brasilien, wo der Großteil der Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten in Städten gelebt hat, ist die Sicherstellung einer nachhaltigen Stadtentwicklung eine enorme Herausforderung. Wir haben große Städte, die sich in dieser Hinsicht in einem kritischen ­Zustand befinden. Leider wird dieser Aspekt in vielen Diskussionen und Entscheidungen von Politikern und Managern nicht berücksichtigt, obwohl er eines der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung ist. Wir müssen dafür sorgen, dass nachhaltige Stadtentwicklung diskutiert wird, praktikable Vorschläge machen und diese in die Politiken unseres Landes einfließen lassen.

Interview
Johannes Göbel
Prof. Dr. Ildeu de Castro Moreira, Präsident der Brasilianischen Gesellschaft für den Fortschritt der Wissenschaft (SBPC)
Prof. Dr. Ildeu de Castro Moreira, Präsident der Brasilianischen Gesellschaft für den Fortschritt der Wissenschaft (SBPC)
Schließen
Zum Anfang

Direktorin
Dorothea Mahnke (DAAD)

Programmkoordinatorin
Laura Blecken

Beiratsvorsitzende
Dr. Susanne Brucksch
(Deutsches Institut für Japanstudien)

Adresse
Deutsches Wissenschafts- und Innovationshaus Tokyo
OAG Haus 4F
7-5-56 Akasaka, Minato-ku,
Tokyo 107-0052, Japan

Kontakt
info@dwih-tokyo.org
www.dwih-tokyo.org

Unterstützer des DWIH Tokyo
www.dwih-tokyo.org/de/netzwerk/unterstuetzer/
Zum Anfang

Dorothea Mahnke, Direktorin des DWIH Tokyo
Dorothea Mahnke, Direktorin des DWIH Tokyo
Vollbild
„Das DWIH Tokyo bietet ein starkes Netzwerk im deutsch-­japanischen Austausch. Wir sind eine etablierte Plattform für Begegnungen, Diskussionen, Informationsaustausch und die Anbahnung künftiger Partnerschaften. Wir bringen Menschen zusammen, die gemeinsam an zentralen Fragen der Zukunft arbeiten. Zugleich entwickeln wir unsere Angebote für Unterstützer und Partner fortlaufend weiter. Unser Schwerpunkt zur Künstlichen Intelligenz zeigt beispielhaft, wie weit unsere Netzwerkarbeit reicht.“

Dorothea Mahnke

Das Jahr 2020 begann für das Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) Tokyo als Co-Organisator der wegweisenden Ausstellung „energie.wenden“. Sie zeigte im Nationalen Museum für Zukunftsforschung und Innovation Miraikan in Tokyo, wie Energienutzung nachhaltig gelingen kann. Besucherinnen und Besucher erkundeten die Bedeutung unterschiedlicher Energiequellen und -politiken angesichts der Herausforderung des Klimawandels. Wie bei der Premiere der Ausstellung in Deutschland wurde auch in Tokyo das Publikum spielerisch zum Wählen zwischen verschiedenen Energieoptionen aufgefordert. Was wird bevorzugt: Solar-, Wasser- oder Windenergie? Welche Rolle spielen nachhaltige Mobilität oder auch die Atomenergie? So vermehrte die Ausstellung nicht nur Wissen: Sie trägt auch zu einem besseren Verständnis der Haltungen in Japan wie in Deutschland bei.

Die großen Herausforderungen der Zukunft können nur im internationalen Austausch bewältigt werden. Starke Netzwerke zwischen Deutschland und Japan knüpft das DWIH Tokyo seit Langem, auch Frankreich ist ein wichtiger Partner im trilateralen Dialog rund um Künstliche Intelligenz. Zugleich ist das Netzwerk der Unterstützer des DWIH Tokyo in den vergangenen Jahren beständig gewachsen. „Wie stabil unser Netzwerk ist, hat zudem die Corona-Krise gezeigt“, hebt Dorothea Mahnke, Direktorin des DWIH Tokyo, hervor. Im Corona-Jahr 2020 boten das DWIH Tokyo, seine Unterstützer und weitere Partner eine außergewöhnliche Vielfalt an Austauschformaten und Veranstaltungen. Schon im März wurde ein Austausch zur Zukunft der Arbeit und der Bedeutung des japanischen Konzepts der Society 5.0 angesichts COVID-19 ins Internet verlegt: Renommierte Fachleute aus Deutschland und Japan beleuchteten unterschiedliche Schwerpunkte und stellten sich anschließend im Livestream den Publikumsfragen. Professor Junichi Tsujii, Direktor des Artificial Intelligence Research Center (AIRC) in Tokyo, ging zum Beispiel auf Chancen und Risiken Künstlicher Intelligenz ein, während Botschaftsrat Dr. Martin Pohl von der Deutschen Botschaft in Tokyo die Rolle der Politik in einer sich rapide wandelnden Arbeitswelt näherbrachte.

Wie facettenreich das Netzwerk der Unterstützer des DWIH ist, zeigten 2020 unterschiedlichste Veranstaltungen, etwa Online-Talks zur Rolle der Geldpolitik in der Corona-Krise, ausgerichtet vom Deutschen Institut für Japanstudien (DIJ) und dem DWIH, oder die Konferenz „Reaktionen auf Corona im japanischen und deutschen Recht“, veranstaltet von der Deutsch-Japanischen Juristenvereinigung (DJJV) und dem Max-Planck-­Institut für ausländisches und inter­natio­nales Privatrecht.

„Das DWIH Tokyo präsentiert die Vielfalt der deutschen Wissenschaft und Wirtschaft in Japan“, sagt Dorothea Mahnke und verweist auf eine „Win-win-Situation“: „Das DWIH profitiert von den Stärken seiner Unterstützer, die uns als etablierte Plattform des Austauschs und der Vernetzung schätzen. In Japan wird wiederum sehr genau wahrgenommen, dass sich bei uns entscheidende Akteure aus den unterschiedlichsten Themenfeldern zusammenfinden.“ Sie verbindet das Interesse, die Zukunft gemeinsam zu gestalten. Als der Bundesverband der Deutschen Industrie im Dezember seinen „International Innova­tion Talk with Japan“ ausrichten wollte, wandte er sich an das DWIH Tokyo. Gemeinsam schrieb man so den deutsch-japanischen Austausch zur „Society 5.0“ fort, unter anderem mit einem Vortrag von Professor Yuko Harayama, geschäftsführende Direktorin für Internationale Beziehungen von RIKEN, Japans größter außeruniversitärer Forschungsinstitution.

INNOVATIVE WIRTSCHAFT
Auch die Innovationskraft der Wirtschaft wird vom DWIH Tokyo gespiegelt. Zu seinen Unterstützern zählen etwa die Deutsche Industrie- und Handelskammer Japan (AHK Japan), die Repräsentanz des Freistaates Bayern und NRW.Global Business Japan, die Außenwirtschaftsförderungsgesellschaft des bevölkerungsreichsten deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Sie präsentierte unter anderem in einem Web-Talk im November 2020 gemeinsam mit dem DWIH Tokyo Deutschlands Stärken in der Elektromobilität.

Themen platzieren, Anknüpfungspunkte schaffen: Das gelingt dem DWIH Tokyo seit Jahren mit dem außergewöhnlich vielschichtigen Austausch rund um KI. Zentraler Höhepunkt war im November 2020 das 2. Französisch-Deutsch-Japanische Symposium zur Künstlichen Intelligenz. „Im ­Vergleich zum ersten großen Symposium haben wir die fachlichen Perspektiven noch einmal deutlich erweitert“, sagt Dorothea Mahnke. Vom Spannungsfeld zwischen Menschen und Maschinen über Innovationen für eine nachhaltige technologische Entwicklung im Einklang mit der Natur bis zum Bereich „KI und COVID-19“ reichte die Themenvielfalt. Den hohen Anspruch des Austauschs unterstrich bereits die Eröffnung durch Frankreichs ­Botschafter Philippe Setton, Deutschlands ­Botschafterin Ina Lepel und Dr. Hiroaki Kitano, Präsident der Sony Computer Science Laboratories. In der Abschlusserklärung wurde der Wert des auch ökologisch nachhaltigen Fortschritts betont. Dazu trägt das DWIH Tokyo weiterhin bei, wie Direktorin Mahnke betont: „Das große Interesse bestärkt uns darin, 2022 das nächste trilaterale KI-Symposium mit auszurichten.“

Autor
Johannes Göbel
Dorothea Mahnke, Direktorin des DWIH Tokyo
Dorothea Mahnke, Direktorin des DWIH Tokyo
Schließen
Zum Anfang

KI UND GESELLSCHAFTLICHE FRAGEN

 Programmkoordinatorin Laura Blecken:  Blick für mehr als nur Technik
Programmkoordinatorin Laura Blecken: Blick für mehr als nur Technik
Vollbild
Die Arbeit an der Zukunft kann nicht warten: Das unterstrichen die Teilnehmenden des 2. Französisch-Deutsch-Japanischen Symposiums zur Künstlichen Intelligenz mit einer spontanen wie kraftvollen Abschlusserklärung. Man werde den Herausforderungen des Anthropozäns mit einer Perspektive begegnen, „die nicht nur die Menschen und die Künstliche Intelligenz berücksichtigt, sondern auch unsere Umwelt“. „Diese Betonung des Werts einer ökologischen Entwicklung freut uns besonders, auch mit Blick auf das DWIH-Schwerpunktthema 2020 ‚Städte und Klima‘“, sagt Laura Blecken, Programmkoordinatorin des DWIH Tokyo, das das Symposium ­gemeinsam mit der Französischen Botschaft in Japan und dem AI Japan R&D Network ­organisiert hat.

Themenvielfalt in Tokyo und im Netz

Aufgrund der Corona-Pandemie wurde das Symposium online im Virtual-Reality-Format veranstaltet, mit Avataren für die Teilnehmenden, digitalen Konferenz- und Breakout-Räumen und sogar einem virtuellen Strand zum Netzwerken. 100 Referentinnen und Referenten aus den drei Partnerländern, mehr als 1.000 Teilnehmende und über 4 Millionen Impressions in den Sozialen Medien sprechen für die Strahlkraft des Symposiums. Es griff technische und ökologische Aspekte von KI, etwa ihren Nutzen in der Landwirtschaft, ebenso auf wie politische, soziale und juristische Fragen. Der abschließende Appell bündelt für Laura Blecken ein zentrales Ziel der trilateralen Vernetzung: „Gemeinsam streben wir eine Gesellschaft an, in der technischer Fortschritt kein Selbstzweck ist, sondern immer auch einer nachhaltigen Entwicklung dient.“
 Programmkoordinatorin Laura Blecken:  Blick für mehr als nur Technik
Programmkoordinatorin Laura Blecken: Blick für mehr als nur Technik
Schließen
Zum Anfang

Künstliche Intelligenz im Fokus

Prof. Dr. Arisa Ema lehrt und forscht an der Universität Tokyo und ist  zudem Gastforscherin am RIKEN Center for Advanced Intelligence Project.
Prof. Dr. Arisa Ema lehrt und forscht an der Universität Tokyo und ist zudem Gastforscherin am RIKEN Center for Advanced Intelligence Project.
Vollbild
Arisa Ema, Professorin an der Universität Tokyo, über die außergewöhnlich vielschichtige Netzwerkarbeit des 2. Französisch-Deutsch-Japanischen Symposiums zur Künstlichen Intelligenz.

Frau Professor Ema, Sie waren zwei Jahre lang Mitglied des Organisationskomitees für das 2. Französisch-Deutsch-Japanische Symposium zur Künstlichen Intelligenz. Aufgrund der Corona-Pandemie konnte das Symposium nicht im Nationalen Museum für Zukunftsforschung und Innovation Miraikan stattfinden. Sie haben sich dann nicht für eine klassische Online-Konferenz, sondern für ein Treffen in einer „Virtual Immersive World“ entschieden. Warum war Ihnen das wichtig?
Wir wollten den Vernetzungsgedanken stärken. Mit dem eigenen Avatar durch die virtuelle Welt zu gehen und sich auszutauschen war sicherlich eine wertvolle Erfahrung, die man in einer normalen Online-Konferenz nicht machen kann. Insgesamt mehr als 1.000 Teilnehmende aus der ganzen Welt erlebten so eine Möglichkeit des Netzwerkens in der Corona-Zeit.

Was haben Sie aus dem Symposium mitgenommen?
Die Diskussionen waren sehr vielschichtig, aber wir waren uns einig, dass wir an einer Gesellschaft arbeiten wollen, die nicht nur auf Menschen und Maschinen, sondern auch auf die Umwelt achtet. Erderwärmung, Pandemien wie COVID-19 oder die globale Fragmentierung sind aktuelle, auch soziale Herausforderungen. Wie Künstliche Intelligenz zur Lösung dieser Herausforderungen beitragen kann, wird Japan, Deutschland und Frankreich als führende KI-Länder in den kommenden Jahren beschäftigen.

Wie hat sich der Blick auf Künstliche Intelligenz zuletzt weltweit verändert?
KI wird in mehr und mehr Feldern angewandt, vom automatisierten Fahren über die medizinische Pflege bis zur Personalgewinnung. Zugleich kommen Fragen nach Fairness und Sicherheit auf. Das gilt für von selbstfahrenden Autos verursachte Unfälle, für Festnahmen durch fehlerhafte Gesichtserkennung, für Wahlbeeinflussungen durch Audio- und Videomanipulationen und Fake News. Das sind Probleme, die KI nicht von allein lösen kann. Vielmehr müssen wir an passenden Rahmenbedingungen arbeiten und dabei etwa rechtliche, ethische, gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Perspektiven miteinbeziehen. Zusätzlich zu den KI-Strategien der nationalen Regierungen wird ja bereits auch in Netzwerken wie dem Weltwirtschaftsforum und in internationalen Organisationen wie OECD, WHO, UNESCO und Interpol über Entwicklung und Anwendung von KI diskutiert.

Welche KI-Themen müssen künftig behandelt werden?
Gesellschaft, Technologie und unser ganzes Umfeld werden sich weiterhin rasant verändern. Aber genau deshalb ist der Austausch der Menschen so wichtig. Wir müssen beständig Netzwerke bilden und bewahren. Aktuell arbeiten einzelne Länder und internationale Organisationen an den passenden Richtlinien und Werkzeugen, an Bildung und an Forschung zu KI. Wir sollten aber nicht vergessen, dass diese Diskussionen von den USA, China, Japan, Europa und anderen führenden KI-Ländern vorangetrieben werden. Sie exportieren ihre Technologie in afrikanische und südostasiatische Länder. Eigentlich notwendige Entwicklungsstufen werden somit übersprungen, da in vielen der importierenden Länder die Rahmenbedingungen für Datenschutz und Qualitätssicherung noch nicht ausreichen. Es ist wichtig, dass wir auch mit dem Globalen Süden eine Diskussion über die Herausforderungen der KI führen.

Das DWIH Tokyo begleitet den Austausch rund um Künstliche Intelligenz auf vielfältige Weise. Was schätzen Sie am Partner DWIH?
Das DWIH Tokyo hat eine sehr wichtige Rolle bei der Fokussierung auf KI gespielt. Während der zweijährigen Vorbereitungszeit für das Französisch-Deutsch-Japanische Symposium hat das DWIH weitere Veranstaltungen mit KI-Bezug organisiert. Ich habe an mehreren dieser Veranstaltungen teilgenommen und kann sagen, dass das nicht nur zur stärkeren Vernetzung und Verständigung zwischen Deutschland und Japan beigetragen hat. Ich konnte Deutschlands fortschrittliches Denken in Umweltfragen oder mit Blick auf die Zukunft der Arbeit kennenlernen. KI ist zwar eine Technologie, aber sie wird zugleich zur sozialen Infrastruktur, also müssen wir uns auch aus verschiedenen Blickwinkeln mit ihr auseinandersetzen. Das DWIH Tokyo wird weiterhin zahlreiche Themen aufgreifen, und wir möchten unser gewachsenes Netzwerk und unsere guten Beziehungen auch künftig pflegen.

Interview
Johannes Göbel
Prof. Dr. Arisa Ema lehrt und forscht an der Universität Tokyo und ist  zudem Gastforscherin am RIKEN Center for Advanced Intelligence Project.
Prof. Dr. Arisa Ema lehrt und forscht an der Universität Tokyo und ist zudem Gastforscherin am RIKEN Center for Advanced Intelligence Project.
Schließen
Zum Anfang

Drei Fragen an Prof. Dr. Yuko Harayama, geschäftsführende Direktorin für Internationale ­Beziehungen von RIKEN, Japans größter außeruniversitärer Forschungsinstitution

Prof. Dr. Yuko Harayama, geschäftsführende Direktorin für Internationale ­Beziehungen von RIKEN, Japans größter außeruniversitärer Forschungsinstitution
Prof. Dr. Yuko Harayama, geschäftsführende Direktorin für Internationale ­Beziehungen von RIKEN, Japans größter außeruniversitärer Forschungsinstitution
Vollbild
Frau Professor Harayama, was verbindet Sie mit dem DWIH Tokyo?
Mit dem DWIH Tokyo kam ich erstmals 2016 in Kontakt, als ich Jurymitglied beim ersten ­Falling Walls Lab Tokyo war, das vom DWIH und EURAXESS veranstaltet wurde. 2016 leitete ich auch zusammen mit dem Botschafter für Wissenschafts- und Technologiekooperation, Herrn Takeshi­ Nakane, die japanische Delegation der 22. Japanisch-Deutschen Gemeinsamen Kommission für die Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie in Bonn. Während meines Aufenthalts in Bonn traf ich Dorothea Mahnke vom DAAD, die spätere Direktorin des DWIH Tokyo. Unser Treffen führte zu einer engen ­Zusammenarbeit. Ich war an der Vorbereitung des 1. Japanisch-Deutsch-Französischen Symposiums zur Künstlichen Intelligenz beteiligt  und an Folgeveranstaltungen wie der „KI und SDGs“-Konferenz 2019. Im Jahr 2020 sprach ich auf dem Podium des zweiten Symposiums zur Künstlichen Intelligenz und im Dezember beim „International Innovation Talk with Japan“, der vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und dem DWIH Tokyo organisiert wurde. Er beschäftigte sich mit Japans Konzept der „Society 5.0“ und der japanischen Forschungs- und ­Innovationspolitik.

Könnten Sie uns die Bedeutung der Society 5.0 für Japan kurz skizzieren?
Society 5.0 ist ein Konzept für die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft. Anstatt wie ­üblich vorzugehen und sich auf technologische Innovationen zu konzentrieren, wollen wir vor allem die Menschen dazu befähigen, passend auf die sich schnell verändernde Welt und ­unerwartete Entwicklungen wie die Corona-­Pandemie zu reagieren. Wir konzentrieren uns nicht nur auf Technologie und Wirtschaftswachstum, sondern vor allem auf Nachhaltigkeit und Inklusivität. Die Menschen sollen Technologie nicht passiv nutzen; sie sollen zu intelligenten Nutzern werden.

Wo bestehen mit Blick auf die Society 5.0 besonders gute Anknüpfungspunkte zwischen Japan und Deutschland?
Society 5.0 fokussiert auf das Wohlergehen der Menschen während ihres gesamten Lebens, was besonders für alternde Gesellschaften wie Japan und Deutschland wichtig ist. Beide Länder ­waren in den letzten Jahrzehnten mit ihren Wirtschaftsmodellen sehr erfolgreich. Was die digitale Transformation angeht, sind Deutschlands Erfolge mit der Industrie 4.0 sehr interessant für Japan. Für eine ganzheitliche Entwicklung der Gesellschaft müssen wir aber vor allem zusammenarbeiten. Das autonome Fahren ist ein gutes Beispiel für die Kooperation zwischen Japan und Deutschland. Es geht darum, einen technologischen Wandel herbeizuführen und gleichzeitig den Bedürfnissen der Menschen gerecht zu werden.

Interview
Johannes Göbel
Prof. Dr. Yuko Harayama, geschäftsführende Direktorin für Internationale ­Beziehungen von RIKEN, Japans größter außeruniversitärer Forschungsinstitution
Prof. Dr. Yuko Harayama, geschäftsführende Direktorin für Internationale ­Beziehungen von RIKEN, Japans größter außeruniversitärer Forschungsinstitution
Schließen
Zum Anfang
Scrollen, um weiterzulesen Wischen, um weiterzulesen
Wischen, um Text einzublenden